Oft versucht man jemanden mit Studien und Artikeln davon zu überzeugen, dass er falsch liegt. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass es einen anderen, weniger konfrontativen Weg gibt, um jemanden zum Umdenken zu bewegen.
Eine neue Studie hat herausgefunden, dass das «Umgehen» von Fehlinformationen ebenso effektiv ist wie das direkte Entlarven. Geleitet wurde die in Scientific Reports veröffentlichte Arbeit von der Sozialpsychologin Dolores Albarracín, die sich auf Einstellungen und Überzeugung spezialisiert hat.
Die University of Pennsylvania, an der Albarracín tätig, informiert in einer Medienmitteilung, dass man sich bei dieser Strategie zuerst überlegen muss, zu welchen Schlussfolgerungen man sein Publikum bringen will. Diese müssen dann mit positiven Fakten untermauert werden, die das Publikum möglicherweise nicht in Betracht gezogen hat.
Interessant sind dabei die Beispiele der Schlussfolgerungen: Dass Impfstoffe sicher oder gentechnisch veränderte Lebensmittel zu befürworten sind – wobei es in der Studie nur um letztere geht. Und siehe da, die Bill & Melinda Gates Foundation bezuschusste die University of Pennsylvania mit etlichen Millionen, unter anderem für «landwirtschaftliche Entwicklung» und «globale Bildung». Die Studie selbst wurde hingegen unter anderem von den National Institutes of Health (NIH) und dem National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) finanziert, dessen Direktor bis Ende letzten Jahres Anthony Fauci war.
Die Strategie der Umgehung von Fehlinformationen
Diese Strategie lässt sich jedoch auch bei tatsächlichen Fehlinformationen anwenden. Deshalb lohnt es sich trotz der inhärenten Propaganda der Studie und der Medienmitteilung, einen Blick darauf zu werfen. Die University of Pennsylvania erklärt, dass die Entlarvung von Unwahrheiten mit gegenteiligen Fakten nicht einfach sei, obwohl sie dazu beitrage, «die Überzeugungen der Menschen über Unwahrheiten zu ändern». Niemand lasse sich gerne korrigieren, und wenn man Fehlinformationen wiederhole, um sie zu korrigieren, bestehe die Gefahr, dass sich diese Fehlinformationen im Gedächtnis einer Person festsetzten oder sie entfremdeten, wenn sie sich angegriffen fühle.
In der Studie schlagen die Autoren das Umgehen als neue Methode vor, um die Folgen von Fehlinformationen zu bekämpfen. Dabei geht es laut der University of Pennsylvaniadarum, eine Schlussfolgerung wie «Impfstoffe sind sicher» zu identifizieren und herauszufinden, wie man diese Schlussfolgerung mit korrekten Informationen untermauern kann, die nicht direkt die Behauptungen der «Fehlinformation» widerlegen. Weiter in der Medienmitteilung:
«Um beispielsweise die Überzeugung zu umgehen, dass Impfstoffe der Gesundheit schaden, könnte man die positiven Auswirkungen von Impfungen auf der ganzen Welt hervorheben, wie zum Beispiel die enorme Reduzierung der Kindersterblichkeit. Das allein kann die Schlussfolgerung verstärken, dass Impfungen wünschenswert sind, ohne dass die Person mit Fakten und Zahlen konfrontiert wird, die eine falsche Annahme über Impfstoffe widerlegen.»
Albarracín fügt hinzu:
«Die Befürchtung, dass Impfstoffe Autismus verursachen, mag eine Überzeugung sein, die die Haltung einer Person gegenüber Impfstoffen prägt. Aber Menschen haben viele Überzeugungen gleichzeitig. Wenn man die Aufmerksamkeit auf die positiven Überzeugungen lenkt, kann man die Meinung der Menschen ändern.»
Korrigieren vs. Umgehen
Für ihre Studie führten die Autoren drei Experimente durch, um die Wirksamkeit dieser Strategie zu testen. Bei den ersten beiden Experimenten lasen die Teilnehmer einen Artikel, in dem «fälschlicherweise behauptet wurde, dass ein neu entwickeltes gentechnisch verändertes Maisprodukt schwere allergische Reaktionen verursacht».
Einige Teilnehmer lasen dann einen Artikel, der den vorherigen Artikel durch Fakten und eine alternative Erklärung widerlegte – eine Korrektur der «Fehlinformation». Andere lasen einen Artikel, in dem ein positiver Nutzen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln hervorgehoben wurde, «entweder ihre Rolle bei der Rettung von Bienen oder bei der Beendigung des weltweiten Hungers» – unter Umgehung der «Fehlinformationen».
Als Kontrolle erhielten einige Teilnehmer keinen zweiten Artikel während andere einen zweiten Artikel zu einem nicht verwandten Thema lasen. In einem dritten Experiment wurde ein anderer «Fehlinformationsartikel» getestet – einer, in dem «fälschlicherweise behauptet wurde, dass gentechnisch veränderter Mais das Tumorwachstum bei Ratten beschleunigt».
Ergebnisse
Während jedes Experiments kontrollierten die Forscher die Einstellung der Teilnehmer zu politischen Massnahmen, die die Herstellung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln einschränken (indem sie diese als gut oder schlecht und hilfreich oder nicht hilfreich bezeichneten), sowie ihre Absicht, diese Massnahmen zu unterstützen.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sowohl die Umgehung als auch die Korrektur zu einer geringeren Unterstützung von Beschränkungen für genetisch veränderte Lebensmittel führten, was bedeutet, dass beide die anfängliche Wirkung der Fehlinformation, dass genetisch veränderte Lebensmittel Allergien verursachen, verringerten. Diese Ergebnisse galten auch für die Einstellung zu GVO-Beschränkungen und die Absicht, diese Beschränkungen zu unterstützen, die weniger positiv ausfielen.
Gemäss den Forschern sollten politische Entscheidungsträger und einflussreiche Persönlichkeiten das Instrument der Umgehung nutzen, um diese «Fehlinformationen» zu bekämpfen.