Horst D. Deckert

Ungeboosterte werden die neuen Ungeimpften

Boostern bis der Arzt kommt (Foto:Imago)

Wer gestern Abend „Anne Will“ sah und die erbarmungswürdigen Anstrengungen von Karl Lauterbach und der „Süddeutsche„-Wissenschaftsredakteurin Christina Berndt verfolgte,  „aus Unlogik Logik zu machen“ (frei nach Merkel) und eine Impfung anzupreisen, die ganz offenkundig nicht annähernd hält, was sich verspricht, dem dürfte eines nicht entgangen sein: Ganz allmählich schleicht sich ein neuer Oberton in die Debatte ein – und der kündet von der zunehmenden Bedeutung der Auffrischungsimpfungen. Je mehr sich herausstellt, dass die „Vollimpfung“ weiterhin volles Ansteckungsrisiko bedeutet, und je weniger die ständig wiederholten Narrative „Geimpfte erkranken weniger schwer“ sowie „immer mehr jüngere kriegen schwere Verläufe“ mit der Faktenlage in Einklang zu bringen sind, desto mehr rücken die „Booster“ ins Visier der Impfen-macht-frei-Lobby.

Es macht sich ein schleichender Shift bemerkbar: Anfeindungen und Vorwürfe mangelnder „Solidarität“, die bisher noch den Ungeimpften gelten, dürften sich bald schon wortgleich gegen die richten, die sich nicht „boostern“ lassen wollen und sich einer „Auffrischung“ verweigern. Eine dritte Spritze die in den identischen Worten als hochwirksam beworben wird, mit der bisher die zweite als unerlässlich zum Erreichen des „vollen Impfschutzes“ angepriesen wurde. Nach dem Motto „mit dem Dritten schützt man besser“ soll der „Booster“ um Potenzen protektiver als die klassische Doppel-„Voll“-Impfung sein. Aber wie kann dies sein, wenn doch der Grund für diese dritte Spritze eingestandenermaßen der ist, dass die Wirksamkeit der mRNA-Vakzine offenbar nur wenige Monate hält?

Das Bemerkenswerte – gerade vor dem Hintergrund der dümmlichen Arroganz, mit der die „definitive Sicherheit“ der Impfstoffe beschworen wird – ist, dass dieselben Experten, die Langzeitfolgen für Humbug erklären, all diese neuen Entwicklungen nicht nur nicht voraussagen, sondern vor wenigen Monaten noch das genaue Gegenteil dieser neuen Erkenntnisse zugesichert haben: Die zweite Impfung sorge für langanhaltenden und umfassenden Impfschutz, die Impfung sei ein Gamechanger. NICHTS davon trat ein. Und weiterhin spielen sich die, die notorisch schieflagen, zu Gralshütern der endgültigen Weisheit auf, die gönnerhaft die Zweifler „informieren“ und ihnen ihre „irrationalen Ängste“ nehmen wollen (wenigstens an Sahra Wagenknecht, die bei „Anne Will“ den mit Abstand souveränsten und überzeugendsten Auftritt hinlegte, bissen sie sich gestern die Zähne aus).

Impfbücher zu Sammelalben

Wer jetzt beginnt, wie FDP-Mann Marco Buschmann ebenfalls bei „Anne Will„, so nonchalant vom „boostern“ zu reden wie bisher vom basisimpfen oder testen, der soll ehrlicherweise auch gleich dazusagen, dass die Impfungen drei- oder viermal jährlich wiederholt werden müssen. Es sei denn, die Gesellschaft würde sich aus dieser Psychose befreit (was jedoch nicht geschehen wird). Und es spricht viel dafür, dass exakt dies dem Businessplan der Hersteller entspricht, die von vornherein nicht auf ein Einmalgeschäft, sondern auf eine globale Abo-Falle gesetzt haben. Wenn die nachlassende Wirksamkeit der Vakzine nicht womöglich sogar volle Absicht war und mit demselben Hintergedanken Absicht bezweckt wurde, mit der die Industrie bei technischen Produkten oftmals herstellerseitig Sollbruchstellen oder reparaturbedürftige Mängel einbaut, um die Langlebigkeit zu verkürzen und regelmäßige Neuanschaffungen zu erzwingen.

Das bedeutet: Wer fortan nicht bereit ist, sich alle paar Monate erneut an die Nadel zu hängen, sollte ab sofort besser schweigen, wenn die Wutkonversation auf die vielen Kimmichs unserer Gesellschaft geht, und sich mit seiner Überheblichkeit und/oder Entrüstung über Ungeimpfte besser zurückhalten. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Für Risikogruppen und Ältere mag die regelmäßige Wiederherstellung eines experimentellen Impfschutzes sinnvoll sein, weil dieser gemessen an den Gefahren einer Covid-Infektion ein für sie vertretbares Risiko darstellt.

Alle anderen aber, für die Corona keine größere Gefahr als zahllose Grippewellen der Vergangenheit darstellt (die alle ohne Amoklauf einer paternalistischen Volksfürsorge-Politik oder Impfterror überstanden wurden), sind gut beraten, sich auf ihre natürliche Immunität zu verlassen – statt ständig neue Aufkleber in ihren zu Sammelalben gewordenen Impfbüchern anzuhäufen. Wer das anders sieht, darf gerne weiter dem grassierenden Krisenkult frönen mitsamt seinem Credo: „Ich glaube an die Auferfrischung und das ewige Leben. Amen.“

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