US-Vizepräsident J.D. Vance verkündete in München nichts weniger als eine geopolitische Revolution – und eine Abrechnung mit der westlichen Identität. Während Eurokraten seine Worte als scharfe Tirade gegen Europa werteten, war seine Botschaft weit tiefgreifender: Er entwarf eine Vision für den Westen im Zeitalter globaler Machtverschiebungen, oft als „Multipolarität“ bezeichnet – ein Begriff, der letztlich einen Zusammenprall der Zivilisationen beschreibt.
Eine neue Ära – und Europa hat es nicht bemerkt
Vance bezog sich auf einen Vorfall vom Vortag, als ein afghanischer Asylbewerber in München ein Auto in eine Menschenmenge steuerte und dabei eine Mutter und ihr zweijähriges Kind tötete. Er stellte die Frage:
„Wie oft müssen wir so etwas noch ertragen? Wie oft müssen wir diese entsetzlichen Rückschläge erleben, bevor wir unseren Kurs ändern und unsere gemeinsame Zivilisation in eine neue Richtung lenken?“
Die europäische Delegation reagierte verwirrt – nicht nur, weil sie sich von der Rede beleidigt fühlte, sondern auch, weil sie nicht verstand, was Migration oder autoritärer Liberalismus mit internationaler Sicherheit zu tun haben sollen. Warum, so fragten sie, sprach der Vizepräsident nicht über ein Friedensabkommen mit Russland?
Die Antwort: Die Welt befindet sich in einem neuen geopolitischen Paradigma, das zivilisatorische Grundsatzfragen aufwirft. Die Ära der US-Hegemonie nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg ist vorbei. Vielleicht begann die neue Ära mit dem US-Rückzug aus Afghanistan, mit dem Krieg in der Ukraine oder mit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus. Wie auch immer – Europa hat es noch nicht bemerkt.
Vance war in München, um dieses „Memo“ zu überbringen.
Die Grundsatzrede: Mehr als Sicherheit – es geht um Identität
Vances Rede befasste sich nicht primär mit Sicherheitspolitik, sondern mit Identität, Prinzipien und der Zerbrechlichkeit der westlichen Zivilisation. Der Westen, so Vance, brauche im Jahr 2025 ein neues Denken – genau wie die Sowjetunion in ihren letzten Jahren. Seine Rede sollte diesen Prozess einleiten.
Die verwirrten Eurokraten in München erinnerten an die Wissenschaftler in Thomas Kuhns „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ (1962) – sie versuchten, Rätsel innerhalb eines überholten theoretischen Paradigmas zu lösen, das sie selbst nicht mehr hinterfragen konnten.
Zwei Tage vor Vances Rede hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bereits klargemacht, dass die Macht der USA sich zurückziehen und neu formieren werde – und dass Europa auf seinem eigenen Kontinent stärker werden müsse. Doch auch diese Botschaft erzürnte die Eurokraten, als hätten sie ein Recht auf ewige Abhängigkeit von den USA. Hegseths Botschaft war jedoch simpel:
„Amerika, der Sheriff der Welt, kann euch nicht mehr beschützen. Ich rate euch, euch eine Waffe zu besorgen.“
Vance ging noch weiter:
„Ich habe viel darüber gehört, wovor Sie sich verteidigen müssen. Aber was mir weniger klar ist – und wohl auch vielen Bürgern in Europa – ist: Wofür genau verteidigen Sie sich?“
Das Rätsel der europäischen Identität
Vance erkannte einen zentralen Widerspruch: Europa, die Wiege der liberalen Demokratie, annulliert heute Wahlergebnisse, unterdrückt Rede- und Religionsfreiheit und regiert zunehmend autoritär.
„Der globale Liberalismus hat Krisen geschaffen, die europäische Regierungen nun mit undemokratischen Mitteln lösen.“
Während europäische Bürger stolz auf ihre Nationen und Identitäten sind, behandeln die Eliten sie wie austauschbare Arbeitskräfte einer globalen Wirtschaft. Gleichzeitig sei Europa zu einem Flüchtlingslager für Nicht-Europäer geworden:
„Von allen Herausforderungen, mit denen die hier vertretenen Nationen konfrontiert sind, gibt es keine dringlichere als die Massenmigration. Heute ist fast jeder fünfte Einwohner in diesem Land ein Zugewanderter – ein Allzeithoch. Zwischen 2021 und 2022 hat sich die Migration in die EU verdoppelt – und ist seitdem noch weiter gestiegen.“
Vance lieferte eine dringend notwendige Korrektur zu den Exzessen des liberalen Nachkriegsdenkens, doch er ließ eine zentrale Frage offen: Wer sind wir eigentlich?
Er sprach oft von „uns“ und setzte ein gemeinsames Zugehörigkeitsgefühl zwischen Amerikanern und Europäern voraus. Doch er erklärte nicht, was diese Gemeinschaft eigentlich ausmacht – oder wie sie langfristig bestehen soll.
Ein neues geopolitisches Paradigma – und Europa bleibt blind
Vielleicht ist das die erste große Frage, mit der sich der Westen im neuen geopolitischen Zeitalter auseinandersetzen muss – eine Frage, die Vance aufgeworfen hat, die blinden Bürokraten in Brüssel aber nicht einmal erkennen:
Wer sind wir?

