Horst D. Deckert

Armin Laschet, Merkels letztes Opfer

Am Tiefpunkt: Laschet (Foto:Imago)

Die persönliche Tragik des Armin Laschet, die Fremdschammomente seiner Preisgabe durch eigene Parteifreunde erwecken fast so etwas wie Mitleid, obwohl dieses hier wahrhaftig fehlt am Platz ist. Niemand hat Laschet gezwungen, seine alles in allem erfolgreiche Ministerpräsidentschaft in NRW zu opfern, wo man ihm sogar dubiose Maskendeals und mutmaßliche Günstlingswirtschaft nachsah, um auf dem Bundesparkett die denkbar schlechteste Figur abzugeben, die je für die Union als Spitzenkandidat ins Rennen ging. Auch seine Blamagen waren allesamt hausgemacht, und dass er sein Scheitern lange nicht wahrhaben wollte, bestätigt seine Nichteignung fürs höchste Amt nochmals eindrucksvoll.

Auf den Schild gehievt und gegen Markus Söder unionsintern durchgesetzt hatte ihn Wolfgang Schäuble. Doch die Strippenzieherin dahinter war stets Angela Merkel: Sie hat den Niedergang der Union parallel zu ihrem eigenen politischen Rückzug, getreu der Devise „nach mir die Sintflut“, brillant orchestriert und dabei letztlich auch Laschet über die Klinge  springen lassen, indem sie alles dafür tat, ihre Wunschnachfolge sicherzustellen: Eine linksgrüne Bundesregierung nämlich, die ihr globalistisches Zerstörungswerk zuverlässig fortführen wird – durch aufgeweichte Sparziele, Gemeinschaftshaftung, Soueränitätsabbau, „gelenkte Demokratie“ und gelenkte Wirtschaft. Die Ampel als klimaideologische Nachfolgeregierung kann an das, was Merkel in 16 Jahren hinterlassen hat, nicht nur nahtlos anknüpfen; sie wird ihre Amtszeit rückblickend auch weitaus milder bewerten, als dies eine „bürgerliche“ Jamaika-Regierung unter CDU-Führung im Rahmen eines schmerzlichen Ablösungsprozess von Merkel tun würde. Mit Scholz als Kanzler, den Grünen als treibender Kraft und einer wie stets opportunistisch-biegsamen FDP (die mit prestigeträchtigen Posten abgespeist wird und sich unverzichtbar fühlen darf) hat Merkel ihre Nachfolge gut geregelt – und die weitere Abwicklung Deutschlands sichergestellt. Nach ihr die Sintflut.

Nach ihr die Sintflut

Und Laschet? Knapp zwei Wochen nach der Totgeburt seiner Kanzlerkandidatur „beugt“ er sich dem Druck der eigenen Reihen – und deutet seinen Rückzug zumindest an, was soviel heißt wie: Der Countdown zum Abtritt läuft. Spätestens mit der vorzeitigen Festlegung der Grünen auf die Ampel waren seine letzten Träume beerdigt; und sollte es doch noch zu Jamaika oder einer Reaktivierung der Groko kommen, dann wohl nicht mit ihm als Kanzler.  Laut „Handelsblatt“ wächst nämlich die Ungeduld in der Partei, eine inhaltliche, strukturelle und personelle Erneuerung auf den Weg zu bringen. Bereits am Wahlabend hatte sein Partei-„Freund“ Carsten Linnemann – als wolle er Laschet Beine machen – erklärt, man werden nicht darum herumkommen, „bei der nächsten Parteivorsitzendenwahl einen Mitgliederentscheid durchzuführen.“

Merkels demonstrative Zurückhaltung seit der Wahl – ganz so, als gäbe es sie schon nicht mehr, als führe sie nicht weiterhin die Regierung – hat Laschet einen Bärendienst erwiesen; damit lieferte sie ihn wohl vollends an Messer. Die Elendsgestalt, zu der er verkommen ist, dauerte sogar seinen eigenen NRW-Innenminister Herbert Reul so sehr, dass er den Umgang der Union mit Laschet tadelte, womit er vor allem auf Markus Söder zielte. In die erbarmungswürdige, tränenreiche Show mischt sich hier wohl echte Trauer: Denn so oder so, Laschet wird als Ministerpräsident in Düsseldorf hinschmeißen. Zufrieden steht derweil die scheidende Kanzlerin als scheinbar unbeteiligte Akteurin am Ufer des politischen Flusses – und wartet darauf, bis mit Laschet die nächste Leiche an ihr vorübertreibt.

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