
Von RAINER K. KÄMPF | CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat einen Brief geschrieben. An die Parteimitglieder, denen er mitteilt, daß wegen der gemischten Bilanz der schwarz-roten Koalition nach den ersten 100 Tagen die Stimmung derzeit nicht so gut sei.
Der berechtigte Frust über die Fehler, die passiert sind, solle das Parteivolk nicht lähmen. Deutschland sei nicht in eine Staatskrise gerutscht und die Union hätte den Kompass nicht verloren.
Da pfeift einer im dunklen Keller.
Dieses Deutschland, dessen Zustand wir derzeit erdulden müssen, der uns gegen den Willen einer großen Zahl seiner Bürger oktroyiert wurde, hat das Zeug, als Synonym für Staatskrise an sich zu stehen. Man muß schon sehr nah am Klammersack vorbeigeschlendert sein, wolle man annehmen, das Fußvolk in den Niederungen des real existierenden, skelettierten Staates hätte das noch nicht verspürt.
Lediglich der Hexenbann einer Brandmauer zur Dämonisierung des einzig möglichen Koalitionspartners hält wohl die Parteimitglieder in den Ortsverbänden davon ab, nicht nur innerlich, sondern auch wahrnehmbar das allzu morsche Bauwerk einzureißen. Egal, wie lang oder mit welcher Absicht sie das schwarze Parteibuch auch tragen, eines dürfte noch nicht verkümmert sein: der politische und gesellschaftliche Selbsterhaltungstrieb.
Sein Lob der Außenpolitik des Kanzlers darf gewiß als Zuckerl gewertet werden, um seiner versteckt offenen Kritik einen Hauch von Loyalität beizugeben. Zurück auf der internationalen Bühne? Seit wann ist die Rolle als Statist in der dritten Reihe ein Wesensmerkmal des Erfolgs? Bei Anna hatten die Auftritte wenigstens noch etwas Niedliches und der Unterhaltungswert war immens.
Nicht fehlen darf eine griffige Formulierung, um einen, wo auch immer verorteten, Antriebswillen vorzugaukeln: Der Turbo müsse eingeschaltet werden.
Turbo, Doppel-Wumms und der legendäre Ruck, der über dieses Land kommen sollte, müßten die Seismographen in Potsdam in Dauerstreß versetzen. Mein Gott, das fehlte noch. Unser Elitenverschnitt schafft es auch ganz gut, das Land ohne Erdbeben zu schrotten.
PI-NEWS-Autor Rainer K. Kämpf hat Kriminalistik, Rechtswissenschaft und BWL studiert. Er war tätig in einer Anwaltskanzlei, Geschäftsführer einer GmbH, freier Gutachter und Sachverständiger. Politisch aktiv ist Kämpf seit 1986. Als Kommissar in spezieller Stellung im Berliner Polizeipräsidium hatte er Kontakte zum damaligen „Neuen Forum“ in den Anfängen. Er verzichtete darauf, seinem Diensteid zu folgen und folgte lieber seinem Gewissen. Bis 2019 war er Referent einer AfD-Landtagsabgeordneten in Brandenburg. Aus gesundheitlichen Gründen beendete er diese Tätigkeit und befindet sich seither im unruhigen Ruhestand.
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