In einem hochaktuellen und schonungslos offenen Interview mit dem Podcaster Danny Davis hat der ehemalige CIA-Analyst und Nahost-Experte Larry Johnson die offizielle Siegesrhetorik der US-Regierung und ihrer Verbündeten gnadenlos auseinandergenommen. Während Pentagon-Sprecher wie Pete Hegseth und Präsident Trump von einer „zerschmetterten“ iranischen Armee und einem unmittelbar bevorstehenden Sieg sprechen, zeichnet Johnson ein völlig anderes Bild: Iran ist resilienter denn je, die westlichen Luftabwehrsysteme sind fast erschöpft, die Wirtschaft leidet bereits massiv – und die USA riskieren eine strategische Katastrophe.
Johnson, Autor auf Sonar21.com und langjähriger Kenner der Region, vergleicht die aktuelle Propaganda direkt mit den Fehleinschätzungen zu Beginn des Ukraine-Kriegs 2022. Damals hieß es wochenlang, Russland sei „am Ende“ und habe keine Raketen mehr. Heute wird exakt dasselbe Narrativ über Iran gestrickt – und es stimmt ebenso wenig.
Iranische Raketenoffensive: Die Zahlen sprechen eine andere Sprache
Während Hegseth vor der Presse verkündete, die iranischen Fähigkeiten würden „weiter abnehmen“ und die eigenen „zunehmen“, zeigt eine Grafik der täglichen iranischen Raketen- und Drohnenangriffe das genaue Gegenteil. Nach einem anfänglichen Rückgang in den ersten Tagen (als Iran bewusst ältere, 10–15 Jahre alte Modelle einsetzte, um westliche Luftabwehr zu „saugen“) steigt die Zahl der Angriffe seit Tag 7–8 kontinuierlich an. Iran feuert inzwischen wieder mehr Raketen pro Tag – und zwar modernere, präzisere und schlagkräftigere Systeme.
Der Grund: Die US- und israelischen Abwehrsysteme sind am Ende. Johnson rechnet vor: Die gesamte Produktion von THAAD-Raketen seit Beginn der Serienfertigung beträgt lediglich 900 Stück. Da meist zwei THAAD-Raketen für eine ballistische Rakete benötigt werden, reicht das für maximal 450 Abschüsse. Iran hat bereits über 1.000 ballistische Raketen abgefeuert – allein damit wäre THAAD rechnerisch leer.
Bei PAC-3 (Patriot) sieht es nicht besser aus: Bis Ende 2025 wurden maximal 4.620 Stück produziert. Davon gingen mindestens 1.000 nach Ukraine und weitere in frühere Einsätze. Übrig bleiben bestenfalls 2.620 Raketen – genug für rund 1.000 ballistische Ziele. Danach ist Schluss.
Johnson bestätigt aus eigener Quelle, dass eine US-Basis im Golfraum bereits letzte Woche ihre PAC-3-Vorräte komplett aufgebraucht hat. Die Interzeptor-Erfolgsquote liegt zudem bei unter 10–20 %. Das erklärt, warum immer mehr iranische Raketen durchkommen.
Unterirdische Festung: Warum die USA „nichts sehen“
Der Westen behauptet, „alle Abschussrampen zerstört“ zu haben. Johnson lacht: Die modernsten iranischen Raketen starten aus kilometerlangen unterirdischen Silos und Tunnelsystemen. Die Anlagen sind so tief, dass Satelliten sie nicht orten können. Es ist „Whac-a-Mole“ in industriellem Maßstab: Eine Rampe taucht auf, feuert, verschwindet wieder. Die USA zerstören leere Löcher.
Gleichzeitig wird klar: Iran hatte nie eine klassische Marine oder Luftwaffe im westlichen Sinne – und brauchte sie auch nicht. Stattdessen setzt Teheran auf eine tödliche Küstenwache mit kleinen Booten, maritimen Drohnen und vor allem auf sein Raketenarsenal. Genau dieses Arsenal ist unangetastet.
F-35 abgeschossen – SEAD gescheitert
Kurz vor der Sendung bestätigte das Pentagon: Eine F-35 wurde über Iran getroffen und musste eine Notlandung machen. Johnson sieht darin den endgültigen Beweis, dass die „Suppression of Enemy Air Defenses“ (SEAD) gescheitert ist. Die USA fliegen weiterhin fast ausschließlich Stand-off-Missionen außerhalb des iranischen Luftraums. Die Behauptung, man könne „überall fliegen, ohne beschossen zu werden“, ist schlicht eine Lüge.
Israelischer Angriff auf North Pars – Eskalation und wirtschaftliche Selbstzerstörung
Israel griff das North-Pars-Gasfeld im Persischen Golf an – ein gemeinsames iranisch-qatarisches Projekt, das auch irakische Stromversorgung speist. 31.000 Megawattstunden fielen aus, Qatar und Irak sind wütend. Iran kündigte sofortige Vergeltung an. Johnson sieht hier den Wendepunkt: Teheran hat „totalen Krieg“ erklärt und will die USA aus dem Golf vertreiben. Entweder zerstört Washington Iran (unmöglich ohne humanitäre Katastrophe) oder es muss abziehen.
Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits dramatisch: Der Dow Jones hat seit Kriegsbeginn 10 % verloren (von über 50.000 auf 45.000 Punkte). Benzinpreise steigen alle zwei bis drei Tage um 8–10 Cent – in Florida bereits plus 1 Dollar pro Gallone. Ein 20-Gallonen-Tank kostet 20 Dollar mehr pro Füllung. Bei wöchentlichem Tanken ergibt das 1.000 Dollar Mehrkosten pro Jahr – für Millionen US-Bürger, die von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben, existenzbedrohend.
Diesel ist um 2 Dollar teurer, was alle Warenpreise nach oben treibt. Dazu kommt der Ausfall von 20–25 % der weltweiten Flüssiggas-Kapazität (Qatar + Israel). 35 % des Düngers weltweit basieren auf Erdgas – Preise steigen um 25–50 %. Die nördliche Hemisphäre steht vor einer Erntekrise. Johnson warnt: Das ist kein kurzfristiges Problem, sondern der Beginn globaler Instabilität.
Trump, Hegseth und die Lügenkette
Trump behauptete auf Truth Social, Israel habe „aus Wut“ das Gasfeld angegriffen – obwohl die USA über das Combined Air Operations Center (CAOC) in Al Udeid jeden einzelnen Flug koordinieren. Johnson: „Trump lügt, und er weiß, dass er lügt.“
Später drohte Trump sogar, das gesamte South-Pars-Feld zu zerstören, falls Iran Qatar angreife – obwohl Qatar ein enger Verbündeter ist und der Irak auf dieses Gas angewiesen ist. Pure Inkonsistenz.
Hegseths Pressekonferenz wird von Johnson als „Erektionsstörungs-Werbung“ verspottet („Wir werden morgen größer!“). General Keith Kellogg behauptet, die Straße von Hormus sei „offen, man brauche nur Mut“. Johnson kontert trocken: „Wenn ein Frosch Flügel hätte, würde er sich beim Springen nicht den Arsch anschlagen.“ Die Straße wird von iranischen Raketen und Küstenbatterien vollständig abgedeckt – selbst wenn man Kharg Island („Schlangeninsel“) besetzen würde, wäre das Selbstmord. China und Russland können passieren, US- und israelische Schiffe nicht.
Brian Hook (Ex-Sondergesandter) vergleicht den Iran-Krieg mit Israels „Erfolgen“ gegen Hamas und Hisbollah. Johnson zerlegt das: Hamas existiert nach 2,5 Jahren noch, Hisbollah hat gestern sieben Merkava-Panzer zerstört und feuert weiter Raketen. Die Idee, Iran „zu demilitarisieren“, ist mit einer 4-Millionen-Mann-Armee und 2 Billionen Dollar Kosten verbunden – undenkbar.
Tulsi Gabbard und der „imminente Nuklearangriff“-Schwindel
Joe Kent trat als stellvertretender Direktor der Nationalen Nachrichtendienste zurück, weil er keinen „imminenten nuklearen Bedrohung“ sah und die USA von Israel und Medien in den Krieg „gelockt“ wurden. Bei einer Anhörung konnte Tulsi Gabbard als DNI-Direktorin nicht bestätigen, dass die US-Geheimdienste eine solche Bedrohung gesehen hätten.
Johnson nennt das „eine Schande“ und „politischen Hack“. Die Aufgabe des DNI ist es, genau diese Einschätzung zu liefern – nicht auszuweichen.
Religiöser Missbrauch und moralische Bankrotterklärung
Am Ende des Interviews zeigt Davis eine Rede von Pete Hegseth, der seinen 13-jährigen Sohn anspricht: „Sie sind für dich gestorben, damit deine Generation kein nukleares Iran erleben muss.“ Johnson und Davis, beide gläubige Christen, sind entsetzt. Jesus wird hier als Kriegstreiber instrumentalisiert.
Johnson: „Jesus liebt auch die Iraner.“
Stattdessen sollten Christen beten, dass die Verantwortlichen zur Vernunft kommen – auch wegen der 170 getöteten iranischen Mädchen, die bei Angriffen ums Leben kamen.
Fazit: Eine selbstzerstörerische Politik
Larry Johnson zieht ein vernichtendes Resümee: Die USA haben sich in einen Krieg gestürzt, den sie weder militärisch noch wirtschaftlich gewinnen können. Sie schwächen ihre eigene Luftabwehr, riskieren Konflikte mit China oder Russland ohne Munition und zerstören die globale Wirtschaft.
Iran hält durch – mit Tunnels, Raketen und dem Willen, die USA aus der Region zu vertreiben. Das Narrativ von „wir gewinnen, sie gehen unter“ ist genau das: ein Narrativ.
Die Realität ist eine sich beschleunigende Katastrophe, die bereits jetzt jeden Amerikaner in Form höherer Preise und sinkender Aktienkurse trifft.
Wer die Wahrheit hören will, muss nicht auf Pentagon-Pressemitteilungen hören – sondern auf Analysten wie Larry Johnson, die sich weigern, die offizielle Lüge mitzutragen. Der Krieg gegen Iran ist nicht fast vorbei. Er hat gerade erst richtig begonnen.

