
Von RAINER K. KÄMPF | Gießt man einen Topf randvoll mit Wasser, stellt ihn auf eine entfachte Gasflamme und wartet ab, fließt nach geraumer Zeit die Flüssigkeit über. Spätestens dann, wenn der Siedepunkt erreicht ist.
Wird ein Deckel darauf festgeschraubt, dauert es länger. Und knallt. Wer aufmerksam ist, dreht vorher die Flamme runter.
Volkes Zorn unter dem Deckel, oder wahlweise hinter einer Mauer, zu halten, ist ein genauso untauglicher Versuch am untauglichen Objekt. Im Gegensatz zur ersten Versuchsanordnung ist es in der Folge meistens nicht mit Aufwischen getan. Im Regelfall tut sich da etwas, was vorher versäumt oder verdrängt wurde.
Denn hinter der Mauer ändert sich nicht nur der Aggregatzustand des Forschungsgegenstands, ein Vorgang, der durchaus reversibel ist, sondern es kommt eine neue Spezies hervor. Aus dem einstmals loyalen Staatsbürger wird erst der Wutbürger, der dann als Mutbürger in den meisten Fällen seine Metamorphose erfolgreich beendet.
Im Verlauf der Geschichte der Menschheit wurde beharrlich wieder und wieder versucht, das historisch determinierte Ergebnis einer Mauerversuchsanordnung von den Füßen auf den Kopf zu stellen. Das wurde nie etwas, und der verzweifelt grübelnde Beobachter erinnert sich an Albert Einstein, der uns die Weisheit mitgab, daß Probleme niemals mit derselben Denkweise lösbar sein können, durch die sie entstanden sind.
Einstein hat das erkannt, wir wissen das und die Zukunft wird wieder einmal zeigen, daß es fühlbar sein muß, wenn aus dem Schaden nicht gelernt wird und man gegen die Mauer läuft.
PI-NEWS-Autor Rainer K. Kämpf hat Kriminalistik, Rechtswissenschaft und BWL studiert. Er war tätig in einer Anwaltskanzlei, Geschäftsführer einer GmbH, freier Gutachter und Sachverständiger. Politisch aktiv ist Kämpf seit 1986. Als Kommissar in spezieller Stellung im Berliner Polizeipräsidium hatte er Kontakte zum damaligen „Neuen Forum“ in den Anfängen. Er verzichtete darauf, seinem Diensteid zu folgen und folgte lieber seinem Gewissen. Bis 2019 war er Referent einer AfD-Landtagsabgeordneten in Brandenburg. Aus gesundheitlichen Gründen beendete er diese Tätigkeit und befindet sich seither im unruhigen Ruhestand.
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