Von Andrew Korybko
Es mag ihnen in der Wahrnehmung gelingen, aber in der Realität wird dies keinen substanziellen Unterschied machen.
Die jüngsten Sanktionen der USA gegen Russland – die ersten unter der zweiten Trump-Regierung – sind weniger als Waffe gegen die russische Wirtschaft gedacht, sondern vielmehr als Mittel zur Instrumentalisierung der Energiegeopolitik, um BRICS zu spalten, insbesondere dessen Kern bestehend aus Russland, Indien und China (RIC).
Diese Einschätzung beruht auf mehreren Faktoren: den engen Handelsbeziehungen Indiens und Chinas mit den USA trotz der jeweiligen US-Zölle von 50 % und 55 % auf sie, ihrer fortbestehenden Rivalität trotz einer beginnenden Annäherung sowie ihrer strategischen Dreiecksbeziehung mit Russland.
In der Reihenfolge, in der sie genannt wurden, ist der Handel Indiens und Chinas mit den USA deutlich größer als ihr Handel mit Russland – doch Russland liefert beiden einen erheblichen Teil ihrer Energieversorgung.
Obwohl weder Indien noch China höhere Ölpreise zahlen wollen, könnten die Kosten der US-Zollerhöhungen als Strafe für die Missachtung der neuen Sanktionen sowie mögliche Sekundärsanktionen gegen Finanzinstitute, die diesen Handel ermöglichen, noch größer sein. Dies könnte sie – so das Kalkül Washingtons – zum Umdenken bewegen.
Das geopolitische Gefangenendilemma
Zweitens dient es sowohl Indiens als auch Chinas Interessen, im besseren Einvernehmen mit den USA zu stehen als der jeweils andere.
Keiner der beiden Staaten möchte riskieren, dass sein Rivale sich mit den Vereinigten Staaten gegen ihn verbündet – eine Konstellation, die strategische Konsequenzen hätte.
Daher könnten beide kalkulieren, dass sie mehr verlieren würden, wenn sie sich der US-Linie widersetzen, während der andere sie befolgt.
Daraus folgt: Besser mitmachen, als durch Ungehorsam ins Hintertreffen zu geraten.
Dies entspricht der Instrumentalisierung des Gefangenendilemmas im geopolitischen Kontext.
Teilweise Anpassung – öffentlich kritisiert, faktisch befolgt
Darauf aufbauend könnten beide Länder berechnet haben, dass ihr jeweiliger Rivale keine besseren Beziehungen zu Russland auf ihre Kosten aufbauen wird, solange beide informell – zumindest teilweise – den US-Sanktionen folgen, auch wenn sie diese öffentlich kritisieren.
Tatsächlich hatten beide bereits vor den neuen Sanktionen begonnen, ihre Ölimporte aus Russland zu verringern:
Indien verzeichnete einen Rückgang um 14 % von August bis September, und Chinas Einfuhren sanken in den ersten neun Monaten des Jahres um 8,1 %.
Kein vollständiger Bruch mit russischer Energie
So überzeugend diese Punkte erscheinen mögen, sollte dennoch niemand annehmen, dass Indien und/oder China völlig auf russische Energieimporte verzichten – geschweige denn sofort.
Der globale Markt bietet derzeit schlicht nicht genug Angebot, um diese Mengen zu ersetzen.
Selbst wenn andere Produzenten ihre Förderung ausweiten, könnten Indien und China sich nur schrittweise von russischer Energie entwöhnen.
Russland würde seine Lieferungen dann wahrscheinlich zu noch größeren Preisnachlässen anbieten, um sie als Kunden teilweise zu halten.
Alles dürfte sich daher mittelfristig von selbst ausbalancieren.
Optischer Erfolg für Washington
Nichtsdestotrotz könnten die USA Indiens und Chinas (teils erzwungene) Reduktion der russischen Energieimporte propagandistisch ausschlachten, um den „Mythos“ der BRICS-Einheit – insbesondere der RIC-Kernbeziehung – zu widerlegen.
Trump hat sich zuvor wiederholt über diese angebliche „antiamerikanische Achse“ beklagt.
Selbst wenn diese Informationskampagne keine greifbaren globalen Auswirkungen hätte, zählt für Trump vor allem der Eindruck, dass die USA die Einheit von BRICS (und insbesondere RIC) erfolgreich gespalten hätten.
Keine Auswirkung auf Russlands militärische Lage
Selbst im politischen Fantasieszenario, dass Indien und China komplett auf russische Energie verzichten, würde Russlands militärische Sonderoperation dadurch nicht beendet.
Der Kreml verfügt über ausreichende finanzielle Reserven, um seine Kriegsanstrengungen mindestens für einige Jahre fortzusetzen – wenn auch mit gewissen wirtschaftlichen Opportunitätskosten.
Fazit
Die USA instrumentalisieren Energiegeopolitik, um BRICS zu spalten – und könnten damit optisch Erfolg haben.
Doch in der Realität wird diese Strategie keinen wesentlichen Unterschied machen.

