Horst D. Deckert

Hirnschlag versus Corona?

In der Schweiz erleiden pro Jahr etwa 16’000 Personen einen Hirnschlag – auch Schlaganfall genannt. Betroffen sind meist ältere Menschen, aber immerhin ist jeder sechste Hirnschlag-Patient jünger als 65 Jahre. Einer von vier stirbt, jeder Dritte bleibt behindert, zum Teil schwer.

Es geschah am 16. Oktober 2020 aus dem Nichts. Vorher lachten wir und hatten viel Spass. Plötzlich trat heftiges Erbrechen auf, Schwindel, neurologische Aussetzer in den Armen und eine kurzzeitige Lähmung des rechten Beines.

Ich wusste nicht, dass mein Mann einen Hirnschlag erlitten hatte, doch die neurologischen Ausfälle beunruhigten mich, somit rief ich nach fünfzehn Minuten die Sanität. Zwölf Stunden lag mein Mann auf dem Notfall, Gastritis war die Diagnose. «Sie können ihren Mann am anderen Tag wieder abholen, bis dann hat er sich stabilisiert.»

Das tat ich. Doch etwas stimmte offenbar nicht, man tuschelte. Ich fragte, was los sei. Sie müssten ein MRI vom Kopf machen, dies sei unter den Umständen, dass man ihn nicht stabilisieren konnte, nicht möglich gewesen. Um 22 Uhr traf ihn der Hirnschlag, am nächsten Nachmittag kam er auf die Intensivstation mit der Diagnose Hirnschlag in der linken Kleinhirnhälfte.

Die Folgen waren nicht absehbar. Die Information dürftig. Nur durch viel Nachfragen wurde uns erklärt, was genau geschehen war. Es sei nicht üblich, alles zu erklären, viele Menschen würden es sowieso nicht verstehen.

Wie weiter nach dem Spital?

Die Rehabilitationszentren waren gerade im Begriff, alles abzuriegeln. Mein Mann ist ein weitgereister, kommunikativer, sprachbegabter Mensch, glücklich unter Menschen. Die Vorstellung, allein sechs Wochen in der Reha ohne Besuch konnte ich mir für ihn nicht vorstellen. So organisierten wir die Reha mit allem, was uns vorgeschrieben wurde, zuhause.

«Wegen der Pandemie steht alles still»

Die Fortschritte bis im Winter 2021 waren gewaltig, auch mein Mann freute sich riesig, sah die Zukunft vor sich. Doch dann der Einbruch; die Psyche. Das Bewusstwerden nach der Notfallzeit, dass vieles nicht mehr so geht, wie es vorher möglich war, war zu viel. Mein Mann brach zusammen. Sein Zustand verschlechtert sich zunehmend, und wir beide wurden müde vom Kämpfen.

Aber nicht nur, weil das Ganze von meinem Mann so viel Kraft und Durchhaltewillen fordert, nein auch wegen des Gesundheitssystems, das uns nur Knebel zwischen die Beine wirft. Wir mussten alles selbst organisieren. Institutionen, die eigens für diese Krankheit geschaffen wurden, funktionieren wegen Corona nicht mehr. Corona ist die häufigste Ausrede seit Oktober 2020.

Corona versus Hirnschlag?

Eine Krankheit ist für den Patienten und sein Umfeld immer schlimm. Corona interessierte uns alle in diesem Zusammenhang wenig, da wir gerade ganz andere Probleme hatten als irgendwelche Kurven und «Infektionsraten». Angesichts des Kampfes meines Mannes macht es Mühe, die «Grippekrankheit» Corona ernst zu nehmen.

Ein gewisses Unverständnis gegenüber der Medizin ist nicht von der Hand zu weisen. So viele Menschen sind chronisch krank und kämpfen. Die «Pandemie» verhindert ihre Genesung oder Stabilisierung. Die Unterstützung ist aus meiner Sicht nicht mehr gewährleistet. Wir bezahlen in dieser «Pandemie» zu viel – am Schluss wirklich mit dem Leben.

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