Von Pim Christiaans
In einem Supermarkt in Nijmegen hängen bereits 29 Sicherheitskameras.
„Gesichtserkennung zu implementieren ist für viele Geschäfte buchstäblich nur eine Frage, den Schalter umzulegen“, sagt Jaap Kasbergen, Direktor eines Installationsunternehmens für elektronische Artikelüberwachung, im Interview mit De Andere Krant.
Kasbergen warnt: Die Überwachungsmöglichkeiten in Geschäften gehen viel weiter, als die meisten ahnen. Bereits jetzt verfügen Supermärkte über Systeme, die das Verhalten und die Identität der Kunden bis ins Detail erfassen können.
„Wenn diese Systeme mit der digitalen ID, der digitalen Euro und den 5G-Antennen in den Einkaufsstraßen verbunden werden, ist die Kontrolle vollständig.“
Lückenlose Überwachung im Alltag
Laut Kasbergen ist den Menschen nicht bewusst, wie sehr sie beim Einkaufen bereits überwacht werden. Zwar ist Gesichtserkennung in den Niederlanden derzeit noch verboten, doch Kameras speichern anonyme Bilder bis zu 28 Tage.
Kasbergen rechnet jedoch mit einer Entwicklung, bei der das Publikum selbst nach einer Lockerung der Regeln ruft – etwa nach Fällen von Gewalt bei Ladendiebstählen.
„Wir entsperren schon Handys mit dem Gesicht und bezahlen damit. Warum also nicht auch in Supermärkten?“, fragt er.
Neue Kameras aus China seien bereits standardmäßig mit Face-ID ausgestattet: „Für viele Geschäfte genügt ein Knopfdruck, um sie zu aktivieren. Danach kann man sie mit Software koppeln, die automatisch Namen und Daten aus dem Internet zieht – der Kunde wird beim Betreten des Ladens identifiziert.“
Von der Diebstahlprävention zur Verhaltensanalyse
Kasbergen arbeitet seit 1990 in der Branche und hat miterlebt, wie sich einfache Diebstahlssicherung zu einem komplexen Überwachungssystem entwickelt hat.
Heute analysieren Hunderte Kameras in Echtzeit, wer sich wie verhält – sie erkennen „verdächtige Bewegungen“, wie das Einstecken von Waren in Taschen, und melden diese sofort an das Management.
Auch Verhaltensdaten werden gesammelt: Welche Wege nehmen Kunden, wann ist der Laden am vollsten, welche Regale werden ignoriert? Diese Informationen dienen der Effizienzsteigerung – und dem Abbau von Personal.
Wenn Daten und Geld verschmelzen
Kasbergen warnt, dass die Kombination von Überwachungssystemen, digitalem Geld und digitaler Identität die perfekte Infrastruktur für eine Verhaltenssteuerung schafft.
„Wenn die Regierung beschließt, dass man aus Klimagründen nur noch einmal pro Woche Fleisch essen darf, dann wird das System sicherstellen, dass man es auch nur einmal pro Woche kaufen kann.“
Der stille Übergang in die totale Kontrolle
Seit den 1980er Jahren – als C&A die ersten Sicherheitsgates installierte – hat sich der Überwachungsausbau schrittweise normalisiert.
Heute hängen in Supermärkten mindestens 25 Kameras, die Geschlecht, Alter und Bewegungsprofile erkennen, auch außerhalb der Läden. Eigentümer nutzen die Daten, um Besucherströme zu analysieren und Mieten festzulegen; Behörden nutzen sie zur Verkehrssteuerung.
Kasbergen sieht die Gefahr einer vollständigen Vernetzung von Einkaufs-, Verkehrs- und Telekommunikationsdaten.
Mit digitaler ID und programmierbarem Geld entstehe ein System, das stark an das chinesische Social-Credit-Modell erinnere – mit Punkten für Wohlverhalten und Strafen für Regelverstöße.
„Das alles begann mit dem Piepton am Kassenportal“, sagt er, „und endet womöglich damit, dass man ohne digitale ID keinen Laden mehr betreten kann.“

