Horst D. Deckert

Mitgliederschwund bei Gaslobbyverband: LobbyControl begrüßt Austritte von Stadtwerken aus Zukunft Gas

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Der Gaslobbyverband Zukunft Gas hat in den letzten Monaten mehrere Stadtwerke als Mitglieder verloren. Der Verband steht immer stärker in der Kritik von Verbänden wie LobbyControl oder klimapolitischen Akteuren.

Einzelne Stadtwerke begründen ihren Austritt damit, dass der Lobbyverband ihren klimapolitischen Vorhaben widersprechen würde. In einem offenen Brief hatte LobbyControl zuvor alle Stadtwerke, die bei Zukunft Gas Mitglied sind, aufgefordert, aus dem Gaslobbyverband auszutreten.

Austritte sind ein gutes Zeichen, weitere sollten folgen

Christina Deckwirth, Sprecherin von LobbyControl, kommentiert: „Es ist ein gutes Zeichen, dass Stadtwerke aus dem Gaslobbyverband Zukunft Gas austreten. Damit senden sie ein klares Signal an ihre Kundinnen und Kunden und die Politik, dass sie sich nicht für fragwürdige fossile Lobbystrategien einspannen lassen. Alle verbleibenden Stadtwerke sollten diesem guten Beispiel folgen.“

Zukunft Gas setzt sich für die Fortsetzung fossiler Geschäftsmodelle ein. Mitglied bei Zukunft Gas sind große Gaskonzerne wie Wintershall, Shell, VNG oder die frühere Gazpromtochter Wingas. Zusätzlich sind etwa 70 Stadtwerke und kommunale Versorgungsunternehmen Mitglied und finanzieren den Lobbyverband entsprechend mit. Eine neue Recherche von LobbyControl zeigt, wie der Verband Stadtwerke zum Beispiel über die Plattform H2kommunal einbindet und dort unter anderem für das Heizen mit Wasserstoff wirbt. Wasserstoff wird in aller Regel aus Erdgas hergestellt. Klimaneutral ist der sogenannte „grüne Wasserstoff“ nur, wenn er aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Doch dieser ist äußerst teuer und wird in absehbarer Zeit laut Expertinnen und Experten nicht ausreichend zur Verfügung stehen.

Wasserstoffversprechen als Freibrief zum Nichtstun

Deckwirth weiter: „Zukunft Gas umgarnt Stadtwerke mit großen Versprechen durch das Wasserstoffgeschäft. Damit wird den Stadtwerken vorgegaukelt, dass sie die Umstellung auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung vor Ort weiter auf die lange Bank schieben können. Das Wasserstoff-Versprechen der Gaslobby ist ein gefährlicher Freibrief zum Nichtstun. Wenn Stadtwerke jetzt auf die Versprechen der Gaslobby hören und sich von dieser einspannen lassen, könnte das für ihre Kundinnen und Kunden und auch für die kommunalen Haushalten teuer werden.“

Seit Juli 2022 sind bereits 15 Stadtwerke von der Mitgliedsseite von Zukunft Gas verschwunden, neun davon haben ihren Austritt schriftlich bestätigt. Die meisten Stadtwerke begründen auf Nachfrage von LobbyControl nicht, warum sie dort nicht mehr aufgeführt werden. Die Stadtwerke Bonn teilten jedoch mit, dass ihre Mitgliedschaft bei Zukunft Gas für ihre „Agenda der CO2-Neutralität bis 2035 keinen Mehrwert geboten“ habe und sie deshalb ausgetreten seien. Aus Mecklenburg-Vorpommern waren zudem einige Stadtwerke als Mitglieder aufgeführt, obwohl sie nur über einen anderen Verband vertreten waren und daher keine direkten Mitglieder waren. Die Stadtwerke Rostock haben sich deswegen von der Seite nehmen lassen.

Stadtwerke Hof: „Erdgas ist nicht die Zukunft der Energieversorgung“

Jean Petrahn, Geschäftsführer der Stadtwerke Hof, die nicht Mitglied bei Zukunft Gas sind und waren, sagte gegenüber dem Umweltinstitut München:

„Es ist aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar, dass ein Verein mit seinem Namen Erdgas als Zukunft bezeichnet. (Erd-)Gas ist sicher nicht die Zukunft der Energieversorgung. Stadtwerke sollten ihre Mitgliedsbeiträge beim Verband Zukunft Gas einsparen und statt dessen in erneuerbare Energien vor Ort investieren.“


Hintergrund

LobbyControl hat heute einen neue Recherche dazu veröffentlicht, wie Zukunft Gas die Stadtwerke für ihre Lobbyarbeit einspannt.

LobbyControl kritisiert schon seit einigen Jahren die Aktivitäten des Gaslobbyverbands Zukunft Gas – zuletzt etwa als Teil einer umfangreichen Studie zur deutschen Gaslobby. Im April hatte LobbyControl einen offenen Brief an die Stadtwerke verfasst, die bei Zukunft Gas Mitglied sind und sie zum Austritt aufgefordert. Einen Online-Appell dazu haben inzwischen fast 7.400 Menschen unterzeichnet. Auch die Klimaschutzorganisation 350.org, das Umweltinstitut München sowie das Kollektiv WeiterSo stellen die gleiche Forderung und unterstützen unter anderem lokale Proteste zu dem Thema. In Frankfurt hatten kürzlich mehrere Organisationen den Stadtwerke-Konzern Mainova zum Austritt aus Zukunft Gas aufgefordert. Das Recherchenetzwerk Correctiv hatte im Februar eine Recherche zur Finanzierung von Zukunft Gas veröffentlicht.

Übersicht Austritte Stadtwerke

Stadtwerke, die ihren Austritt bestätigt haben:

  • Stadtwerke Rostock
  • Stadtwerke Langen
  • Stadtwerke Pinneberg
  • Stadtwerke Rastatt
  • Stadtwerke Elmshorn
  • Stadtwerke Bonn
  • Stadtwerke Ettlingen
  • Stadtwerke Bietigheim-Bissingen
  • Stadtwerke Nortorf  

Diese Stadtwerke sind seit Juli 2021 von der Mitglieder-Webseite von Zukunft Gas verschwunden

  • Energie und Wasser Wahlstedt/Bad Segeberg
  • Städtische Werke Spremberg
  • Städtische Werke Überlandwerke Coburg
  • SWS Stadtwerke Stralsund GmbH
  • WEMAG AG
  • Linz Gas

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