Horst D. Deckert

Perversion zur besten Sendezeit: Nach Flöten-Eklat beim „Supertalent“ lobt RTL sich für seine Vielfalt

In Österreich sorgte der „Pudertanz“ bei der Auftakt-Veranstaltung der „Kulturhauptstadt“ Bad Ischl für berechtigte Empörung. Nun gehen Fernsehzuschauer in Deutschland auf die Barrikaden: Zur besten Sendezeit wurde dem Publikum am Samstag bei „Das Supertalent“ eine „Show“ geboten, die an Niveaulosigkeit kaum zu überbieten war. Eine Frau führte sich dort eine Flöte in ihr Geschlechtsteil ein, hängte sich mit gespreizten Beinen kopfüber über zwei Stühle und „spielte“ ein Kinderlied auf dem Instrument.

Die groteske Szene demonstrierte eindrücklich, wie es um Deutschlands Kultur steht: Zwar stieß die so absurde wie abstoßende Performance der australischen Kandidatin Beatrice McQueef, die mit ihrer Vagina „Alle meine Entchen“ auf einer Flöte spielte, bei den Zuschauern auf keine Gegenliebe, sodass sie aus der Show herausgewählt wurde. (Bei der Jury in der Show schaffte sie es immerhin zu einem „Unentschieden“.) Der Ekel ob ihrer Darbietung bleibt: Dieser war nicht nur dem Publikum vor Ort anzusehen, sondern spiegelte sich auch in empörten Reaktionen in den sozialen Netzen nach der Ausstrahlung wider. Entsprechende Ausschnitte sorgen längst auch international für Entsetzen und Kopfschütteln.

RTL rühmte sich auf Bild-Anfrage damit, man habe gewusst, dass der Auftritt „unterschiedliche Reaktionen“ hervorrufen könnte und man habe schon während der Aufzeichnung der Sendung entsprechende Jugendschutz-relevante Vorkehrungen getroffen habe. Davon können Eltern, die am Samstagabend mit ihrem Nachwuchs vor dem Fernseher saßen, sich freilich nichts kaufen: Die Sendung gilt immerhin als Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie. Der Kritik der mitunter sehr wütenden Zuschauerschaft wollte sich der Sender aber nicht annehmen. Er lobte sich lieber selbst für seine „Vielfalt“:

„Ihr zugegebenermaßen ungewöhnliches Talent, die Blockflöte durch Akrobatik und den Einsatz ihres Beckenbodens zu spielen, ist einzigartig und zeigt, dass ‚Das Supertalent‘ Raum für vielfältige Darstellungen bietet.“

Woke „Frauenpower“?

Die „Bild“ wollte wissen, wer für das Debakel verantwortlich ist. Ein Sprecher des Senders gab an:

„Gemeinsam mit einem Team der Produktionsfirma „UFA SHOW & FACTUAL“ werden die auftretenden Talente vorausgewählt. Die finale Entscheidung über die Teilnahme liegt bei der RTL-Redaktion.“

Programmgeschäftsführerin von RTL ist derzeitig die 45-jährige Österreicherin Inga Leschek. Für die UFA verantwortet laut „Bild“ schon seit einigen Jahren die 63-jährige Ute Biernat u.a. „Das Supertalent“.

Scharfe Kritik an der schamlosen Darbietung McQueefs kam bezeichnenderweise von Dieter Bohlen, der der Kandidatin schon als Jury-Chef ein Nein gegeben hatte. Der 69-Jährige gab gegenüber „Bild“ an, ihm sei bewusst gewesen, dass die Zuschauer so etwas nicht als „Supertalent“ empfinden: „So sehe ich das auch. Das ist in keiner Weise ein Talent! Auffällig ist, dass die jungen Frauen sagen, das sei Frauenpower. Und ich, der alte weiße Mann, sagt: Das ist Mist!“

Dem Sender drohen nun Konsequenzen

Tatsächlich könnten RTL nun Konsequenzen drohen: Schon seit Sonntag lässt die Landesmedienanstalt Niedersachsen (bei der RTL seine Sendelizenz hat) untersuchen, ob bei der Show „unter juristischen und medienwirkungsanalytischen Gesichtspunkten“ Verstöße vorlagen. Speziell könnten „Bestimmungen des Staatsvertrags über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien“ betroffen sein. Sollte man bei der Anstalt einen Anfangsverdacht sehen, so landet die Szene der Sendung bei der Kommission für Jugendmedienschutz, die auch ein Bußgeldverfahren einleiten könnte. Bis Mittwoch soll zunächst der RTL-Jugendschutzbeauftragte seine Einschätzung zur Szene geben.

Wer mit seinen Kindern Kulturveranstaltungen besucht oder gemeinsam mit ihnen das Familienunterhaltungsprogramm im Fernsehen konsumiert, muss heutzutage offensichtlich darauf gefasst sein, dass dem Nachwuchs nackte Geschlechtsteile und obszöne Szenen präsentiert werden. Wenn Frauen, die sich zur besten Sendezeit vor laufenden Kameras Gegenstände in die Vagina einführen, als „Talente“ und somit schlussendlich auch Vorbilder gehandelt werden, kann man nur mehr moralischen Verfall diagnostizieren. Im besten Deutschland aller Zeiten dürften Schulbesuche und Praktika im Puff und auf dem Straßenstrich wohl nicht mehr allzu weit entfernt sein…

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