Kategorie: Nachrichten
WDR-Islamismus-Skandal: Die Reue, erwischt worden zu seien
Beim WDR stehen die Zeichen weiter auf Islamismus und Rot (Foto:Imago/Ritter)
Das Schönste am Lockdown – wenn man denn verzweifelt nach guten Seiten suchen will – ist zweifellos das Ausfallen des unsäglichen al-Quds-Marsches in Berlin. Dafür kann man dem Virus schon einmal ein bisschen dankbar sein. Die pro-palästinensischen Ausschreitungen im Frühjahr waren schon schlimm genug, sie wurden zwar – wie üblich – wieder einmal kleingeredet, aber wenigstens nicht auch noch offiziell gestattet. Mir war es immer unbegreiflich, dass die Verantwortlichen in Berlin, die sich doch sonst angeblich 24 Stunden am Tag gegen Hass und Hetze engagieren, nicht wenigstens gegen die übelsten Parolen vorgegangen sind. Wir beschäftigen eine Unzahl von Antisemitismusbeauftragten in Deutschland – wo blieb in diesem Fall die gemeinsame Erklärung?
Der WDR wollte mit Nemi El-Hassan beim Wissenschaftsmagazin „Quarks“ eine Frau ans Ruder lassen, die nicht nur noch 2018 an einem al-Quds-Marsch teilgenommen, sondern dort auch stolz das Victory-Zeichen gezeigt hatte. Im Zusammenhang mit dem Marsch erklärte El-Hassan damals, das sei „ihr Dschihad„, ihr heiliger Krieg. Inzwischen trägt sie zwar kein Kopftuch mehr – aber anti-israelische Tweets schreibt sie noch immer. Obwohl sie natürlich inbrünstig behauptet, sie bereue sowohl ihre Teilnahme am Marsch als auch ihre Worte. Es mag natürlich so sein, dass dem so ist – oder bereut sie nur, erwischt worden zu sein?
Gestern gab der WDR, auf allzu großen öffentlichen Druck und erkennbar widerwillig, die „Aussetzung“ der geplanten Moderation bekannt. Das wirklich Erstaunliche waren aber wieder einmal die Reaktionen der Medien auf die Enthüllungen. Man könnte sie als schläfrig bis verständnisvoll beschreiben. Allein „Bild“ hinterfragte kritisch, wie es dazu kommen konnte, dass der WDR ein so entscheidendes „Detail“ übersehen hat. Immerhin liegt die Teilnahme an der Hass-Demo erst drei Jahre zurück. Selbst wenn man die Unschuldsvermutung gelten lässt und Nemi al-Hassan zubilligt, sich eventuell doch inzwischen für ihre Teilnahme zu schämen, scheint es kaum jemandem zu geben, der hier einmal genauer hinschaut oder kritische Fragen an sie stellt.
Schläfrig bis verständnisvoll
Und das in einer Zeit, in der Kontaktschuld jedem angehängt wird, der nur einmal mit dem Falschen zufällig auf einem Foto zu sehen war. Gewiss will ich hier nicht für eine „Menschenjagd à la links“ plädieren, die häufig schon groteske, stalinistische Züge annimmt. Den Wunsch, im öffentlichen Leben stehende Menschen auf diese Weise bloßzustellen, finde ich höchst niederträchtig – zumal oft die Grenzen zur üblen Nachrede sehr fließend verlaufen und oftmals sogar überschritten werden. Es geht hierbei nicht um Gefahrenabwehr, sondern darum, den „Feind“ mit einer Fülle von Schmutz zu bewerfen, von dem bekanntlich immer etwas hängen bleibt.
Nemi al-Hassan würde sich bei „Quarks“ in einer Position befinden, in der es auch um seriöses Auftreten und Vertrauenswürdigkeit geht (wenn man den öffentlich-rechtlichen Sendern so etwas überhaupt noch zubilligen will). Und dann sollten an sie die gleichen Maßstäbe angelegt werden wie an andere Bewerber. Da ist es befremdlich, dass selbst die „Jüdische Allgemeine“ – eine Journalistin der Zeitung wollte jüngst sogar AfD-Politikern untersagen, Heine zu lesen – recht gelassen über die Personalie berichtete. Und einige linke Facebook-Gruppen fingen gar an, das Wort „Dschihad“ zu verharmlosen – dieses bedeute wörtlich ja lediglich „persönliche Anstrengung“. Als könne der Dschihad umgesetzt werden wie ein Sportkurs im Fitnessstudio. Die Ausrede ist übrigens schon ziemlich alt.
Wir sind in Deutschland schon fast gewohnt, dass man selbst mit tatsächlicher Nähe zu Linksextremisten politische Karriere machen kann, sogar wenn man in Straftaten verwickelt war. Nun reicht – pünktlich zum zwanzigsten Jahrestag des Anschlags auf das World-Trade-Center – auch eine halbherzige Entschuldigung, um sich vom Islamismus zu läutern. Nur wer außerhalb dieser Kreise steht, darf sich keine Fehler erlauben; da gibt es kein Vergeben und Vergessen.
Singapur: 80% Impfquote – doch keine Spur von Normalität
Mehr als 80% der Bevölkerung Singapurs sind mittlerweile doppelt geimpft. Ein Meilenstein, den zahlreiche Länder weltweit anstreben: Immer wieder wird versprochen, dass bei einem solch hohen Anteil „durch“geimpfter Menschen (bis zum nächsten Boostershot, versteht sich) Restriktionen gelockert und wieder alte Normalität einkehren würde. Singapur beweist jetzt, dass dies nicht der Fall sein wird.
Wie so oft in Ländern mit hoher Impfrate explodieren auch in Singapur die Corona-Fallzahlen. Das Land setzt hauptsächlich auf die mRNA-Vakzine von Pfizer und Moderna: Diese werden zwar gern als der heilige Gral der Impfstoffe dargestellt, zeigen neben ihren Nebenwirkungen jedoch eine mangelhafte Schutzwirkung gerade gegen die ansteckendere, aber ungefährlichere Delta-Variante.
Ein Experte für Infektionskrankheiten der Universität Singapur, Alex Cook, gab an, dass sich das Leben in Singapur durch die Impfkampagne nicht so verbessert habe wie erhofft. Die Masse an Impfdurchbrüchen überschattet die Impfquote. Er sagte gegenüber ABC:
Die Fälle in der Gemeinde sind tatsächlich gestiegen, seit wir eine Abdeckung von 80 Prozent erreicht haben, zum Teil, weil wir mehr gesellschaftliche Veranstaltungen für die Geimpften zulassen. Und ich wage zu behaupten, dass die Müdigkeit gegenüber den Kontrollmaßnahmen mehr geworden ist.
Eine wichtige Lehre aus ganz Südostasien ist, dass es unglaublich schwer ist, die Ausbreitung von Delta zu verhindern, und wie Singapur zeigt, werden selbst hohe Impfraten nicht viel helfen.
Die Regierung in Singapur verhängt zunehmend wieder härtere Restriktionen. Mittlerweile sind sogar sämtliche soziale Zusammenkünfte am Arbeitsplatz verboten, weil vermutet wird, dass etwa der gemeinsame Aufenthalt in Kantinen zu den Fallzahlen beiträgt, wenn Mitarbeiter ihre Masken abnehmen.
Es werden nun erste Stimmen laut, die eine Impfquote von über 80% für zu niedrig halten. Was diese Personen sagen werden, wenn die Impfdurchbrüche bei 100% Durchimpfungsrate mutmaßlich ihren nächsten Höhepunkt erreichen, bleibt abzuwarten. In jedem Fall schädigen die Corona-Maßnahmen auch in Singapur die Gesundheit der Menschen: Eine Psychologin beispielsweise berichtete gegenüber ABC, dass allein in ihrer Praxis die Therapienachfrage um 20 bis 30% gestiegen sei.
Zwei Filme übers Impfen, die jeder gesehen haben sollte: Vaxxed und Vaxxed 2!
Vaxxed: »Alles worum ich bitte, ist, dass dieser Film gesehen wird. Menschen können dann selbst urteilen, aber sie müssen ihn sehen!« (Robert de Niro)
Vaxxed 2: »Dieser Film stellt unsere Demokratie auf den Prüfstand!« (Robert F. Kennedy Jr.)
Gaspreis bei fast 1.000 Dollar: Wie ein Schweizer Gasversorger seinen Kunden Preiserhöhungen begründet

Erst am 14. September habe ich gemeldet, dass die Gaspreise an den europäischen Börsen immer weiter steigen und die Marke von 800 Dollar pro 1.000 Kubikmetern geknackt haben. Heute, nur einen Tag später, explodieren die Preise und erreichen stündlich neue Rekorde. Während ich diesen Artikel mittags schreibe, sind sie bereits auf 960 Dollar gestiegen. Über […]
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Tote Ärzte, tote Mütter: Warum fallen so viele Menschen plötzlich tot um?
In letzter Zeit häufen sich Berichte von plötzlich und unerwartet Verstorbenen. Mysteriös ist der Fall aus dem Landesklinikum Wr. Neustadt, wo binnen weniger Tage gleich zwei Ärzte im Alter von 46 und 52 Jahren aus ungeklärter Ursache verstarben. In Oberösterreich ist eine erst 38-jährige Mutter im Beisein ihrer zweijährigen Tochter tot aufgefunden worden – Thrombosen dürften die Ursache sein. Wodurch wurden diese ausgelöst? Und warum bricht beim Wiener City Marathon ein 40-jähriger Läufer tot zusammen, am selben Tag, an dem ein 58-Jähriger plötzlich tot von seinem Fahrrad fällt?
- Beängstigende Häufung von plötzlichen Todesfällen
- Zwei Ärzte (46 und 52) versterben innerhalb von Tagen in Spital in Wr. Neustadt
- 38-jährige oö. Mutter wird neben ihrer 2-jährigen Tochter tot in Wohnung aufgefunden
- Ein Marathonläufer (40) bricht beim City Marthon Wien aus zusammen – tot
- 93% der Marathonläufer doppelt geimpft
- Ein 58-Jähriger fällt tot vom Fahrrad
- Eine 47-Jährige wird tot in einem Waldstück aufgefunden – kein Fremdverschulden festgestellt
Mysteriöser Tod zweier Ärzte
In den letzten beiden Wochen tauchen verstärkt Berichte über ungeklärte, plötzliche Todesfälle auf. So ging kürzlich der schockierend frühe Tot zweier Ärzte an der Landesklinik Wiener Neustadt durch die Medien. Die Todesursache bleibt allerdings im Dunklen. Auch die Stellungnahme der Klinik gegenüber dem Wochenblick bringt kein Licht in die Sache. Denn woran der Chirurg Dr. Stefan Halper (46) und der Betriebsarzt Dr. Keyhan Hariri (52) tatsächlich gestorben sind, darüber hält man sich seitens des Krankenhauses bedeckt. Unter Berufung auf den Datenschutz wird auch der Impfstatus der beiden Ärzte nicht bekanntgegeben. Allerdings sollen bereits rund 80% der angestellten Ärzte doppelt geimpft worden sein – entweder mit BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca. Eine Corona-Infektion hatten laut dem Spital beide Ärzte nicht.
Mutter wird tot neben 2-jähriger Tochter gefunden
In Ried war eine Zweijährige mindestens 24 Stunden alleine mit ihrer toten Mutter in der Wohnung. Die erst 38-Jährige verstarb aufgrund von Lungenembolien ausgelöst durch Thrombosen, wird vermutet. Vor Gerinnungsstörungen wie Thrombosen oder der Autoimmunerkrankung Thrombozytopenie warnen die Impfstoff-Hersteller sogar selbst in ihren Rote-Hand-Briefen (Wochenblick berichtete), die sowohl hier beim BASG (Bundesamt für Sicherheit und Gesundheitswesen) als auch hier beim Paul-Ehrlich-Institut abgerufen werden können. Auch vor Herzmuskelentzündungen vor allem bei jungen Männern wird gewarnt.
Marathonläufer, Fahrradfahrer, Waldspaziergängerin – alle tot, Ursache unklar
Ungeklärt ist auch das jähe Versterben eines Marathonläufers beim Citymarathon in Wien am Sonntag. Aus heiterem Himmel brach der 40-jährige Sportler urplötzlich zusammen – tot. Als Todesursache wird Herz-Kreislauf-Versagen angegeben. Knapp 93% der Starter sollen doppelt geimpft gewesen sein. Am selben Sonntag wurde in Vorarlberg ein 58-jähriger Radfahrer neben seinem Fahrrad liegend aufgefunden – ebenfalls tot. Mutmaßliche Ursache: ein Herzinfarkt. Und Anfang September wurde in einem Waldstück im oberösterreichischen Mühlviertel eine 47-Jährige tot aufgefunden. Bei der Obduktion konnte kein Fremdverschulden festgestellt werden.
Gibt es eine Verbindung?
Eine derartige Häufung von plötzlichen und ungeklärten Todesfällen, wann hat es das schon einmal gegeben? Ist das nur Zufall, oder könnte es etwas geben, das all diese Todesfälle verbindet? Gibt es etwas, wozu momentan seitens der Regierung alle Menschen gedrängt werden? Vor dem Hintergrund, dass gerade Thrombosen und Herzschäden bekannte und auch offiziell bestätigte Nebenwirkungen der Corona-Impfungen sind, muss man sich fragen, ob hier ein Zusammenhang besteht. Sollte das nämlich der Fall sein, könnte es womöglich sehr bald noch viele mehr dieser „ungeklärten“ Todesfälle geben.
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Porto für Kurz-Hörige: Post ließ 150.000 FFP2-Masken als Briefmarke schneidern
Während überall im Land unzählige Postfilialen teils nach über 100 Jahren schließen müssen, hat sich die staatsnahe Post entschlossen, die Wiederkehr der FFP2-Maskenpflicht auf ihre eigene Art und Weise zu feiern. Denn pünktlich zu deren Einführung gibt es ab heute eine FFP2-Sondermarke. Denn man beauftragte allen Ernstes eine Schneiderei damit, 150.000 FFP2-Masken, die als Briefmarke gültig sind, herzustellen. Was für manchen Philatelisten eine skurrile Einzigartigkeit in ihrer Briefmarken-Sammlung sein wird, könnte für Fans der Corona-Diktatur eine Gelegenheit geben, ihre Mitmenschen am dem Postweg an den Gesichtsfetzen zu erinnern.
- 150.000 FFP2-Sondermarken, weil der Maskenball „nicht mehr wegzudenken“ ist
- Sondermarke wurde punktgenau auf den Tag der Verschärfung fertig – gab es vorab Informationsflüsse?
- Post ist mehrheitlich im Besitz der skandalumwitterten ÖBAG: Floss auch Steuergeld für den brisanten Auftrag?
- Was wurde eigentlich aus dem jahrelangen „Sparkurs“ der Post?
Sondermarke aus FFP2-Material nur bedingt tragbar
Die Klopapier-Briefmarke war gestern: In diesem Jahr erinnert man daran, dass die Masken „seit eineinhalb Jahren aus den Gesichtern nicht mehr wegzudenken“ seien. Aus diesem Grund bringt man eine FFP2-Maske als Sonderbriefmarke, um eine „bleibende Erinnerung“ zu schaffen. Die neue Masken-Marke besteht aus besticktem FFP2-Vlies und kommt komplett mit Ohrschlaufen. Damit kann man Briefe und Päckchen im Wert von 2,75 Euro frankieren. Sie tatsächlich als Maske im Alltag zu tragen, dürfte aufgrund ihres kleinen Formats allerdings schwierig werden.
Um den Verkauf der neuen Addition zum Kuriositätenkabinett anzukurbeln, richtet die Post ein spezielles Sonderpostamt ein: Nämlich am morgigen Donnerstag, den 16. September zwischen 13 und 17 Uhr vor dem Eingang zur Kaiserlichen Wagenburg in Schloss Schönbrunn. Dort findet noch bis 26. September die Ausstellung „Coronas Ahnen. Masken und Seuchen am Wiener Hof“ statt. Diese zeigt, dass „Grenz- und Schulschließungen, Social Distancing, Quarantäne und Masken schon bei Pest, Pocken, Cholera und Spanischer Grippe gang und gäbe“ waren. Für das Sonderpostamt gibt es eine kostenlose Führung – und mit dem Kennwort „Briefmarke Mini-FFP2-Maske“ gibt es ermäßigten Eintritt in die Wagenburg.
Punktgenaue Präsentation wirft Fragen auf
Die punktgenaue Veröffentlichung zur Wiedereinführung der FFP2-Masken für weite Teile der Bevölkerung im Lebensmittelhandel und öffentlichen Verkehr sowie im gesamten Handel und bei Veranstaltungen für Ungeimpfte wirft allerdings auch Fragen auf. Denn die Österreichische Post AG befindet sich zu 52,8 Prozent im Besitz der staatlichen ÖBAG. Die Beteiligungsgesellschaft der Republik geriet in jüngerer Vergangenheit aufgrund eines möglichen türkisen Postenschachers zugunsten von Kurz-Intimus Thomas Schmid ins öffentliche Interesse.
Denn auf der einen Seite scheint es naheliegend zu prüfen, ob nicht eine Unsumme an Steuergeld für die eilige Produktion von 150.000 Masken bei einem Vorarlberger Traditionsunternehmen geflossen sein könnte. Zum anderen wurde die FFP2-Maskenpflicht erst vor einer Woche erneut beschlossen. Angesichts des Auftragsvolumens sowie der kurzen Zeitdauer stellt sich also die berechtigte Frage, ob es vorab Informationsflüsse aus bestimmten Kreisen gab. Außerdem stellt sich die Frage, ob bei einem solchen offenbar politiknahen Auftrag ein Ausschreibungsprozess schlagend wäre – und ob dieser im Falle eingehalten wurde.
FFP2-Maske als „Symbol für außergewöhnliche Zeit“
Bei der Präsentation der neuen Briefmarke gaben sich jedenfalls die Post und das grün-geführte Gesundheitsministerium die Klinke in die Hand. Die Generalsekretärin des Ministeriums, Ines Stilling – in der Übergangs-Regierung Bierlein einst Ministerin ohne Portefeuille, aber etwa für Frauenagenden zuständig – lobte bei der Vorstellung die FFP2-Marke. Diese stelle eine „einfache, aber gleichzeitig sehr wichtige und effektive Maßnahme dar, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen.“ Weil sie „unser Leben in den letzten eineinhalb Jahren geprägt“ habe, gehe sie „deswegen auch als Symbol für diese außergewöhnliche Zeit hervor“, so Stilling.
Zeiten, in denen Menschen bei einem Virus, das für Menschen im erwerbsfähigen Alter zu über 99 Prozent nicht tödlich ist, ihr Gesicht mit einer Maske verhüllen müssen und die staatsnahe Post von ihrem jahrelangen Sparkurs abrückt, um diesen Umstand auch noch abzufeiern: Das ist in der Tat eine „außergewöhnliche Zeit“. Zahlreiche in den letzten Jahren aufgrund der Einsparungen entlassene Briefträger dürften sich diese Frage wohl ebenso stellen. Detail am Rande: Schon vor Monaten stellten unabhängige Prüfstellen fest, dass die Tauglichkeit der umstrittenen FFP2-Masken bei Viren in vielen Fällen nicht gegeben ist – Wochenblick berichtete.
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Landtag Bayern: Absurde Antworten von Grünen und CSU zum Islam-Unterricht

Von MICHAEL STÜRZENBERGER | Am 6. Juli diskutierten die Bayerischen Landtagsabgeordneten auf Antrag der AfD-Fraktion in einer dritten Lesung über den Islamischen Unterricht. Die AfD lehnt die Einführung dieses Islamischen Unterrichtes ab. Vor allem, weil der Lehrplan eine unverantwortliche Schönfärbung des Islams darstellt. Die Grünen sind ebenfalls gegen die vorliegende Einführung – aber nicht, weil […]
Ein folgenschweres Kreuz: Kräfte bündeln gegen die Corona-Diktatur!
Immer im Wahlkampf werden die Wähler von den Parteien besonders umworben. Dabei werden Absichten für die Zukunft kundgetan, wo man sich die Frage stellen muss, wieso das nicht die letzten Jahre schon alles umgesetzt wurde? Leider sind die Medien und auch die Wähler oft vergesslich und glauben den Beteuerungen.
Ein Kommentar von Matthias Hellner
„Jede Partei ist für das Volk da und nicht für sich selbst“, soll schon der erste deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer gesagt haben. Ob er sich immer daran hielt – sicher nicht, aber er konnte es zumindest glaubwürdig verkaufen. Wenn man in Österreich die letzten Monate seit Corona Revue passieren lässt und an die Wahlen in Oberösterreich denkt, dann stellt sich auch die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Parteien.
Gegenstimme zur Corona-Politik
Und gerade bei Corona sind sich fast alle Parteien einig und fordern eher noch härtere Maßnahmen, ob das Volk will oder nicht. Die einzige Partei, die sich ab Beginn diesem Narrativ widersetzte, ist die FPÖ. Nun muss man kein Freund der Freiheitlichen sein, um zumindest anzuerkennen, dass es dem Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml zu verdanken ist, dass in der Landeshauptstadt im Freien bisher keine Masken getragen werden mussten.
Und auch wenn FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl polarisiert, so ist er doch der einzige Politiker, der bisher einen gradlinigen Kurs gegen die Corona-Diktatur gesteuert hat, auf Demos war und das Ohr am Bürger hatte. Ebenso hat er als einziger Politiker den Great Reset im Parlament angesprochen.
Widerstand stärken, statt verzetteln
Und auch FPOÖ-Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner stellt sich hinter den freien Willen der Bürger und bezeichnet die „Treibjagd“ auf Ungeimpfte als unerträglich. Dass daher eine Schwächung der FPÖ vom Establishment erwünscht ist, ist keine Frage. Schon früher gab es Versuche mit Team Stronach oder der Liste Hans-Peter Martin ihr Stimmen abzujagen. Meist verschwanden diese Kleinstparteien nach kurzer Zeit in der Versenkung und die Stimmen stellten sich als verlorene Stimmen heraus.
Daher ist klar, dass es gerade jetzt keine „Aufspaltung“ der Stimmen geben darf, wenn man den Corona-Wahnsinn der Regierung beenden und schärfere Maßnahmen auch nach der Wahl wirkungsvoll verhindern will. Es gilt also die Kräfte zu bündeln. Und auch jetzt hat sich die FPÖ klar positioniert: Impfpflicht und Lockdowns wird es mit ihr nicht geben. Wie wirkungsvoll dieser Widerstand ist, bestimmt der Wähler, indem er die FPÖ stärkt oder schwächt.
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Wer möchte Sklave sein? Die technokratische Konvergenz von Menschen und Daten
Marshall McLuhan stellte in den 1960er Jahren fest, dass der Mensch ein Werkzeugmacher ist, dessen Werkzeuge ihn schließlich umgestalten. Fünfzig Jahre später schlagen wir vor, dass der Aphorismus auch die „Neuverdrahtung“ des Menschen enthalten sollte, da das gegenwärtige Zeitalter des Internets als globales Nervensystem der Menschheit dient. In diesem Artikel wird untersucht, wie die Medien in der gegenwärtigen Periode des Informationszeitalters die öffentliche Meinung über und die Zustimmung zu neuen digitalen Werkzeugen und Techniken manipulieren, die die menschliche Handlungsfähigkeit und Souveränität bedrohen. Der Aufsatz führt in das von Henry Jenkins entwickelte Konzept der Konvergenz ein und untersucht, wie sich diese Praxis im gegenwärtigen globalen pandemischen Milieu ausgeweitet hat, in dem die Interessen einer technokratischen Elite konvergieren, um eine allgemeine Akzeptanz der digitalen Werkzeuge einer neuen sozioökonomischen Ordnung zu kultivieren. Neben dieser Analyse steht die historische Entwicklung von Computerwerkzeugen und die Entwicklung von Daten als Mittel der sozialen Kontrolle. In einer Welt, in der das Bedürfnis nach immer höherer Geschwindigkeit und Effizienz die menschliche Vernunft weitgehend verdrängt hat, analysieren wir, wie die digitalen Werkzeuge mit den Menschen zu verschmelzen drohen. Um die Integrationspropaganda zu untersuchen, werden historische Darstellungen dieser entstehenden Ordnung herangezogen, wie sie von wichtigen Beamten und Intellektuellen des zwanzigsten Jahrhunderts ausgearbeitet wurden. Das Hauptziel besteht darin, den von oben gesteuerten Versuch, die Kontrolle über die Massen zu erlangen, in einen größeren historischen Kontext zu stellen, als hochentwickelte Computerwerkzeuge begannen, dem Bedürfnis zu dienen, Bevölkerungen zu verfolgen und zu kontrollieren. Der Aufsatz ist ein Versuch, sich mit dem komplexen historischen Versuch auseinanderzusetzen, durch Öffentlichkeitsarbeit und Technologien Kontrolle über die Menschen auszuüben.
„Der Mensch ist frei geboren, aber überall liegt er in Ketten.“
– Jean-Jacques Rousseau
Einführung
„Wir formen unsere Werkzeuge, und danach formen unsere Werkzeuge uns“. Dieser Aphorismus, der oft dem Medienwissenschaftler Marshall McLuhan zugeschrieben wird, stammt von John Culkin, einem Freund McLuhans, der über die Ideen des Theoretikers nachdenkt und darüber, wie sie dem Lehrer im Klassenzimmer helfen könnten, der mit den Anforderungen und Ablenkungen konfrontiert ist, die für die sogenannte „neue elektronische Umgebung“ charakteristisch sind (Culkin, 1967, S. 53). Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels ist diese Erkenntnis bereits 50 Jahre alt und könnte heute noch immer eine der besten sein. Culkins Artikel fasst die wichtigsten Gedanken McLuhans über die Technologie, ihre Allgegenwart und ihre Macht, als Hauptinstrumente zu dienen, mit denen die öffentliche Wahrnehmung der empirischen Welt vermittelt, manipuliert und gesteuert wird, zusammen.
Der Haupttitel dieses Aufsatzes ist eine einfache Frage, die den Leser dazu anregen soll, darüber nachzudenken, wie die Medientechnologien im Informationszeitalter den „vom Geist geschmiedeten Fesseln“ (Blake, 1794) Gestalt geben, die das Verhalten beeinflussen (Packard, 1957/2007, S. 32) und die Wahrnehmung des Abbaus von menschlicher Souveränität, Handlungsfähigkeit und Privatsphäre prägen. Angesichts dieser mächtigen Instrumente der Informationsverarbeitung und -verbreitung besteht unser zentrales Anliegen darin, kritisch zu untersuchen, wie bestimmte Medieninstrumente und -inhalte die Enteignung grundlegender Menschen- und Bürgerrechte normalisieren und die Menschen geistig auf einen bedingungslosen Dienst als Rädchen im globalen kapitalistischen Getriebe vorbereiten.
In einer Welt, in der politische Institutionen vorgeben, dem öffentlichen Interesse zu dienen, und dennoch kaum den Willen oder das Know-How aufbringen, die eigennützige Gier transnationaler Konzerne zu zügeln (Sachs, 2019), untersuchen wir, wie Organisationen, Plattformen und Inhalte der „Machtelite“1 (Mills, 1956, S. 73) dienen. Die Diskussion geht von der Prämisse aus, dass die dominierenden Mainstream-Medien in der heutigen Zeit nach wie vor die Hauptakteure der Massenüberzeugung sind, die die Bürger zur gehorsamen Selbstaufopferung für die herrschende neoliberale Ordnung bewegen.
Während Herman und Chomsky in Bezug auf die traditionellen Medien feststellten, dass ihre „Funktion darin besteht, die Menschen zu unterhalten, zu informieren und ihnen [akzeptable] Werte, Überzeugungen und Verhaltensregeln beizubringen“ (Herman und Chomsky, 1988, S. 1), gehen wir davon aus, dass die neuen Technologien nicht nur „die Menschen in die institutionellen Strukturen der größeren Gesellschaft integrieren“ (S. 1), sondern auch in den so genannten freien Markt. Wir analysieren die persuasive Kommunikation, die dieser aufkommenden Marktordnung dient und darauf abzielt, Menschen in das kommende Internet der Dinge (IoT) zu integrieren, in dem alle organischen und anorganischen Objekte zum Verkauf und Kauf bereitstehen2.
Eine kurze Geschichte der Konvergenz
Dieser Standpunkt wirft die Frage auf: Wie können Technologie und Medien ein solches Maß an Kontrolle über die Menschen ausüben? Ein größeres Bewusstsein für ihre verborgene hegemoniale Macht beginnt, so argumentieren wir, mit der Anerkennung ihres unscheinbaren Einflusses auf die menschliche Wahrnehmung (Bernays, 1928/2005, S. 47; Packard, 1957/2007, S. 144). Die jüngste Geschichte bietet ein Fenster, durch das man diese „bekannten Unbekannten“3 sehen kann, die sich allzu oft dem kritischen Bewusstsein der Massen entziehen.
Während des Aufkommens des elektronischen Zeitalters bemerkte McLuhan, dass die Menschen um ihn herum den Einfluss der Technologien auf das menschliche Denken und Verhalten nicht erkannten, da seine Zeitgenossen deren tiefere Bedeutung in Begriffen der Vergangenheit interpretierten – als ob sie die Gegenwart wie ein Bild in einem Rückspiegel sehen würden. 1969 stellte er fest: „Heute leben wir in einer elektronischen Informationsumgebung, die für uns so wenig wahrnehmbar ist wie das Wasser für einen Fisch“ (McLuhan, 1969, S. 5).
Im zeitgenössischen postindustriellen Leben ist die schiere Unausweichlichkeit dieser Umgebung und ihr Einfluss auf das öffentliche Bewusstsein jedoch trügerisch. Sowohl die natürliche als auch die konditionierte Umgebung unserer Wohnungen und öffentlichen Räume, die von Strahlungswellen überflutet werden, die das Auge nicht wahrnehmen kann, sind Träger der Signale, die unser Körper aufnimmt und unser Verstand entschlüsselt (Broudy et al., 2020). Nur die Abwesenheit dieser datenpaketgesättigten Luft macht uns wie Fische ohne Wasser auf die Art von Sauerstoff aufmerksam, von der wir glauben, dass wir sie brauchen. Die zehn Sekunden, die ein persönliches Gerät braucht, um sich wieder mit dem WLAN zu verbinden, können sich für diejenigen wie Ertrinken anfühlen, die „sofortigen oder nahezu in Echtzeit erfolgenden Zugang zu alternativen sozialen Welten“ verlangen (Tanji und Broudy, 2017, S. 209).
So denken wir darüber nach, wie weit wir uns von den Tagen des Buchdrucks entfernt haben; das Internet hat uns alle in die Lage versetzt, mit den Massen zu kommunizieren! Das allgegenwärtige Internet (Rectenwald, 2019, S. 31) – die zahllosen Switches, Server und Meter von Glasfaserkabeln, durch die sich Bedeutung global bewegt – erweckt eine attraktive Illusion. Das heißt, dass die Bürgerinnen und Bürger über ausreichend kommunikative Macht und Autonomie verfügen, um einen positiven sozialen Wandel herbeizuführen. Das ist die utopische Vorstellung von einer sozialen Welt, die durch die bequeme Zusammenarbeit mit anderen über nationale Grenzen und digitale Plattformen hinweg kultiviert wird und die, so nehmen wir vorschnell an, von staatlichen Zwängen und Unternehmenseinflüssen befreit ist. Diese idealisierte Vorstellung wird jedoch gegenwärtig durch eine Art von Konvergenz untergraben, die von einer elitären Unternehmensmacht gesteuert wird, „einer glücklichen Minderheit, die die Handvoll von Unternehmen besitzt und leitet, die sie dominieren“ (Bergman, 2018, S. 160).
Henry Jenkins stellte 2006 fest, dass „die Digitalisierung die Bedingungen für die Konvergenz geschaffen hat“, während „Unternehmenskonglomerate ihre Notwendigkeit geschaffen haben“ (S. 11). Die Übernahme von Time Warner (Medien und Netzwerke) durch AT&T (Telekommunikation) im Juni 2018 veranschaulicht die Art von Konglomerat, auf die Jenkins aufmerksam gemacht hatte. Er beschrieb diesen Prozess als „sowohl top-down unternehmensgetrieben … als auch bottom-up verbrauchergetrieben ….“ (2006, p. 18). Der von Jenkins geäußerte Optimismus, dass die Konvergenz auch von den Verbrauchern angetrieben wird, mag heute angesichts des von oben nach unten erfolgenden Vordringens der Künstlichen Intelligenz (KI) in alle Bereiche des öffentlichen, privaten und beruflichen Lebens etwas kurzsichtig erscheinen.
Aus der Perspektive des Normalbürgers kann das Ringen darum, in den Mainstreammedien Klarheit und Wahrheit über die objektive Welt und ihre existenziellen Bedrohungen für die Gesellschaft zu finden, unsere Aufmerksamkeit für das einst Unwahrnehmbare wecken.
Manchmal verstärken sich Unternehmens- und Graswurzel-Konvergenz gegenseitig und schaffen engere, lohnendere Beziehungen zwischen Medienproduzenten und -konsumenten. (Jenkins, 2006, S. 18)
Während die Bürgerinnen und Bürger seit langem ihr Recht auf Teilnahme an demokratischen Prozessen und die Ausübung ihrer Bürgerrechte schätzen, werden sie zunehmend von den zentralisierenden Kräften des Staates, die sich mit der Macht der Unternehmen verbünden, bedrängt. Seit „The Corporate Takeover of Democracy“ (Chomsky, 2010) im Jahr 2010 zementiert wurde, haben Wissenschaftler der Usurpation der Demokratie ganze Bände gewidmet. Mark Crispin Miller zum Beispiel schreibt über „die Verdrängung von Papierwahlen, die im Freien von Hand ausgezählt werden, durch elektronische Wahlsysteme, die privaten Unternehmen gehören und von ihnen betrieben werden“ (Miller, persönliche Mitteilung). Nach dem 11. September 2001 haben die Machteliten die Kontrolle über die Pressefreiheit und die freie Meinungsäußerung auf digitalen Plattformen im Einklang mit den repressiven Pflichten des USA PATRIOT ACT und, wie derzeit zu beobachten, der COVID-19-Pandemie stetig verschärft. Die Macht von Unternehmen und Staat konvergiert hier, um die öffentliche Wahrnehmung zu kontrollieren. In den Vereinigten Staaten beispielsweise kommt eine Studie von Gilens und Page zu dem Schluss, dass die Wünsche des Volkes „einen nicht signifikanten [oder] nahezu nullwertigen Einfluss“ (Gilens und Page, 2014) auf die Schaffung von Gesetzen haben, die die Politik zum Wohle der Öffentlichkeit verbessern.
Es überrascht kaum, dass die Bürger zunehmend zynisch, unengagiert und misstrauisch gegenüber dem gegenwärtigen politischen System sind, das weitgehend von der Macht der Unternehmen beherrscht wird: Ihr Misstrauen wird sowohl durch die gestohlene Demokratie (Miller, 2000, 2004, 2017) als auch durch das lange Ausbleiben von sozialem Fortschritt und Aufwärtsmobilität bestätigt. Die Ergebnisse der Princeton-Studie bestätigen, was auch Analysten der CitiGroup in einem 2005 an die Öffentlichkeit gelangten Aktionärsprospekt scharfsinnig beschrieben hatten. Ajay Kapur et al. hatten in einem Unterabschnitt mit dem Titel „Welcome to the Plutonomy Machine“ festgestellt, dass die USA, Großbritannien und Kanada Plutonomien sind, die von einer „Managerial Technocratic Aristocracy“ regiert werden (Kapur et al., 2005). [„Technokratische Manager-Aristokratie“, Anm. d. Übersetzers]
Die Autoren erörtern die wichtigsten wirtschaftlichen Triebkräfte der Plutonomie und bieten aufschlussreiche Erklärungen für die effektive Steigerung der Investitionen, die Konsolidierung der Macht und die Konzentration des materiellen Reichtums, der „am besten von den Reichen und Gebildeten genutzt wird“ (Kapur et al., 2005). Keines der Merkmale, die für typische egalitäre Werte charakteristisch sind, taucht jedoch in den Perspektiven der Machtelite auf: „Disruptive technologiegetriebene Produktivitätsgewinne, kreative Finanzinnovationen4, kapitalistenfreundliche kooperative Regierungen5, eine internationale Dimension von Einwanderung und Eroberungen in Übersee, die die Schaffung von Reichtum beleben, Rechtsstaatlichkeit und die Patentierung von Erfindungen“ (Kapur et al., 2005). Obwohl jeder Aspekt der so genannten Plutonomie eine eigene Analyse verdient, werden in den folgenden Abschnitten nur die für unser Ziel relevantesten Aspekte näher erläutert6.
Wahrnehmung und Bewusstsein in den Händen von Technokraten
Wie kann es sein, dass der Mensch zulässt, dass seine Werkzeuge den Wert der Menschheit selbst übertreffen? Jacques Ellul beschrieb die Integrationspropaganda als ein Bemühen, die Öffentlichkeit auf gewünschte Denk- und Verhaltensmuster einzustellen, das darauf abzielt, eine vollständige Konformität zu erreichen (Ellul, 1965/1973, S. 71).
Sicherlich sind die unsichtbare Hand des Marktes und die Auswirkungen seiner magischen Werkzeuge auf die Regierungsführung der Öffentlichkeit weitgehend verborgen geblieben. Wenn, wie McLuhan in den 1960er Jahren postulierte, die „wachsende elektronische Umgebung“ das globale Dorf ist, dessen Mitglieder weitgehend ohne die Beschränkungen von Raum und Zeit agieren, dann ist das Internet zu seinem zentralen Nervensystem geworden.
Hat die Technokratie die Demokratie tatsächlich assimiliert? Chris Smith stellt fest, dass Neuralink, ein von Elon Musk gegründetes Unternehmen, „bereits über Chips und eine Möglichkeit verfügt, eine Verbindung zwischen dem Gehirn und einem Computer herzustellen“ (Smith, 2019). Heute droht das Internet die Menschen vollständig in eine nahtlose neuronale Matrix zu integrieren, die durch die Werkzeuge einer erweiterten (oder verbesserten) Realität ergänzt wird. Auf dem Weltregierungsforum 2017 in Dubai bezeichnete Musk beispielsweise die Spieleindustrie als ein zukünftiges Modell der sozialen Organisation.
„Spiele werden von der Realität nicht mehr zu unterscheiden sein; sie werden so realistisch sein, dass man den Unterschied zwischen dem Spiel und der Realität, wie wir sie kennen, nicht mehr erkennen kann, [was die Frage aufwirft], woher wir wissen, dass dies nicht in der Vergangenheit geschehen ist und wir nicht selbst in einem dieser Spiele sind?“ (Musk, 2017)
Der Programmierer, der in der Lage ist, eine andere Ebene der wahrgenommenen objektiven Realität zu entwickeln, wird so zum (Wieder-)Erschaffer einer neuen Form des sozialen Lebens, die ohne die Notwendigkeit von Politik auskommt. Herbert Schiller warnte vor der Macht der „informationellen Infrastruktur“, wie er sie nannte, in der die Menschen Bilder und Botschaften der vorherrschenden sozialen Ordnung aufnehmen, die „ihre Bezugs- und Wahrnehmungsrahmen schaffen“ und „die meisten davon abhalten, sich jemals eine alternative soziale Realität vorzustellen“ (Schiller, 1999, 2000). Diese Ebene der Konvergenz, die weithin als selbstverständlicher technologischer Fortschritt verstanden wird, sagt eine Zukunft für die menschliche Autonomie und Souveränität voraus, die kaum hoffnungsvoll erscheint oder von den Massen von unten nach oben gewählt wird.
Für den aufmerksamen Beobachter sind solche Entwicklungen auch nicht überraschend. In seinen Überlegungen zu C. Wright Mills‘ Konzept der Machtelite von 1956 stellt Alan Wolfe fest, dass „Amerika … einen Punkt erreicht hatte, an dem die großen Leidenschaften für Ideen erschöpft waren. Von nun an würden wir technisches Fachwissen benötigen, um unsere Probleme zu lösen, und nicht mehr die Träumereien von Intellektuellen“ (Wolfe, 2001).
Diese neuen elektronischen Werkzeuge und ihre zunehmende Verbreitung, die von elitären Gatekeepern kontrolliert werden, sowie ihre Bedeutung für die Reproduktion des Lebens deuten auf eine Zeit hin, in der die Vermarktung und „die Migration der Alltäglichkeit als Kommerzialisierungsstrategie“ (Zuboff, 2015, S. 76) wahrscheinlich nicht nur die Notwendigkeit eines politischen Diskurses, sondern letztlich auch seiner Institutionen auslöschen werden. Ein wachsender fundamentalistischer Glaube an die Wissenschaft und ihre technologischen Abkömmlinge im freien Markt als Mechanismen zur Lösung sozialer Probleme bedroht den politischen Diskurs, der positive Veränderungen anstrebt.
In einem Interview mit CNBC aus dem Jahr 2009 zeigt der Google-Vorsitzende Eric Schmidt eine weitere Ebene der von oben nach unten gesteuerten Konvergenz auf, nämlich die des Tools selbst als Mittel des sozialen Wandels. Auf die Kritik an Googles Praktiken zur Vermarktung der Daten seiner Nutzer reagierte Schmidt mit folgenden Worten:
Wenn Sie etwas haben, von dem Sie nicht wollen, dass es jemand erfährt, sollten Sie es vielleicht gar nicht erst tun, aber wenn Sie diese Art von Privatsphäre wirklich brauchen, ist die Realität, dass Suchmaschinen, einschließlich Google, diese Informationen für einige Zeit aufbewahren – und das ist wichtig, weil wir in den Vereinigten Staaten zum Beispiel alle dem Patriot Act unterliegen. Es ist möglich, dass diese Informationen den Behörden zur Verfügung gestellt werden könnten. (Schmidt, 2009)
Hier verkörpert Schmidt Daten, die aus Suchmaschinen gewonnen werden, und beschwört damit die attraktive Illusion herauf, dass Big Tech und seine Werkzeuge als neue und unanfechtbare Agenten der Staatsgewalt aufgetaucht sind. Mit der Marginalisierung von Bürgerstimmen – insbesondere von abweichenden Meinungen seit dem 11. September 2001 – ist der echte politische Diskurs von diesen Unternehmensmythologien und Algorithmen vereinnahmt worden, die die Massen darauf konditionieren, dass die neoliberale globale Ordnung, die von der Technokratie verwaltet wird, nicht nur vorteilhaft, sondern notwendig sei. Die implizite Botschaft ist hinreichend klar: Widerstand gegen den sozialen Wandel, der von diesen neuen Instrumenten eingefädelt und erzwungen wird, ist zwecklos.
Menschen zu Hyper-Wesen
Musks Vortrag verdeutlicht ein weiteres Problem, das unsere immer ausgefeilteren Werkzeuge für uns Normalsterbliche darstellen, und zeigt eine weitere Dimension der Konvergenz auf. Der Unternehmer selbst wurde zum Medium, durch das die verblüffende Botschaft im öffentlichen Diskurs ankam: Da unsere Kommunikationsmittel schnell zu mächtig werden, als dass wir Menschen sie beherrschen könnten, müssen wir mit ihnen verschmelzen. Ist die Gesellschaft selbst nicht mehr als Wirtschaft?
Wenn die Menschen weiterhin einen Mehrwert für die Wirtschaft schaffen wollen, müssen sie ihre Fähigkeiten durch eine Verschmelzung von biologischer und maschineller Intelligenz erweitern. Wenn wir dies nicht tun, laufen wir Gefahr, zu „Hauskatzen“ der künstlichen Intelligenz zu werden. (Musk, 2017)
Olivia Solon stellt in ihrer Antwort in Frage, ob Musk mit der behaupteten Notwendigkeit, ein Cyborg zu werden, Recht hat (Solon, 2017). Auch hier sehen wir die Personifizierung von Werkzeugen, die unbelebte, geschaffene Dinge zu autonomen und souveränen Akteuren erhebt, während der intrinsische Wert von Menschen auf ihre Daten reduziert wird (Hirsch, 2013). Mit Handlungsfähigkeit ausgestattet, nehmen Werkzeuge eine soziale Position als natürliche Erweiterungen der Machtelite ein, wie kleine Brüder zu ihrem großen Bruder (Klaehn et al., 2018, S. 182). Dies sind die Charakterisierungen von Werkzeugen, die aus der Macht der Technokraten geboren wurden, die in „disruptiven technologiegetriebenen Produktivitätsgewinnen“ noch größere Möglichkeiten für die Erfassung und Kontrolle menschlicher Ressourcen sehen. Zuboff fasst das Problem mit ironischer Prägnanz zusammen.
Früher haben wir Google durchsucht, jetzt durchsucht Google uns. Einst hielten wir digitale Dienste für kostenlos, jetzt halten uns die Überwachungskapitalisten für kostenlos. (Zuboff, 2019a,b)
Paradigmenwechsel in Gesellschaften im Laufe der Geschichte sind für aufmerksame Beobachter jedoch wenig überraschend. Bertram Gross sagte 1980 beispielsweise die Konvergenz des Massenkonsums und der Vereinnahmung der Massen durch die Unternehmen mit dem Aufkommen neuer Informationstechnologien voraus. „Die Sammlung von Informationen ist jetzt durch immer ausgefeiltere Systeme möglich“, stellt er fest, „einschließlich der bedrohlicheren Formen der elektronischen Fernüberwachung“ (1980, S. 49). Katherine Albrecht und Liz McIntyre beschreiben diesen Grad der Konvergenz in der elektronischen Überwachung als eine Branche, die „einige fantastisch unheimliche Geschäftsideen im Science-Fiction-Stil patentiert hat“ (Albrecht und McIntyre, 2005, S. 4).
Angesichts der ständigen Fortschritte bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit und der vernetzten Datenverarbeitung stellt Gross fest: „Am beunruhigendsten ist, dass die Mittel zur Kontrolle dieser großen Masse so weit entwickelt wurden, dass zentralisierte Systeme unglaubliche Mengen an Informationen über lange Sequenzen weit verstreuter und dezentraler Aktivitäten im Auge behalten können“ (1980, S. 49). Warum sehen wir angesichts der erstaunlichen Fortschritte bei der Herstellung von Werkzeugen nicht, wie diese neuen Werkzeuge die Zukunft grundlegend verändern werden?
Pandemischer Neoliberalismus
Neue Werkzeuge schaffen neue Möglichkeiten, die Massen für das neoliberale Projekt von heute zu gewinnen. Wenn wir durch Kultur, Bildung und Medien zu der Überzeugung gelangen, dass Zeit Geld ist, liegt der Schluss nahe, dass nur die effiziente Nutzung von Zeit zur Verfolgung und Anhäufung von Geld zu dem wird, was wir als unseren Hauptzweck als Menschen ansehen. Die Integrationspropaganda wirkt wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Neue Instrumente und Praktiken der Effizienz, die in die Transaktion eingeführt werden, schaffen positive Rückkopplungsschleifen in einem System, das von Natur aus immer mehr Effizienz benötigt und erwartet. Daher die heutige Propaganda, die die Tugenden reibungsloser Geschäftstransaktionen an den Verkaufsstellen anpreist, die wiederum den sozialen Verkehr weiter verschlechtern, der sich entwickeln und das System, seine Instrumente und Praktiken potenziell stören könnte.
Rush Limbaugh, ein konsequenter Verfechter des Kapitalismus der freien Marktwirtschaft ohne regulatorische Schutzmechanismen, stellte beispielsweise fest, dass McDonald’s seinen sinkenden Aktienwert endlich in den Griff bekommen hat, seit es „2.500 Menschen durch digitale Kioske ersetzt hat“ (Limbaugh, 2017). Auch hier, wo unberechenbare Menschen zumindest teilweise aus dem Geschäftsverkehr entfernt und durch glänzende und effiziente neue Kioske ersetzt wurden, sehen wir die Konvergenz, wie Mensch und Maschine (oder maschinelle Werkzeuge) uns geformt und zum Schweigen gebracht haben.
In einer solchen sozialen Welt prägen effiziente Werkzeuge die Wahrnehmung, die dazu beitragen, „Effizienz zu einem nahezu universellen Wunsch zu machen“ (Ritzer, 1993, S. 35). Das System behandelt also Effizienz als einen vorausgesetzten universellen Wert, aber George Woodcock erinnert uns in seinem zeitlosen Essay „Die Tyrannei der Uhr“ daran, dass „vollständige Freiheit sowohl Freiheit von der Tyrannei der Abstraktionen als auch von der Herrschaft der Menschen bedeutet“ (Woodcock, 1944/1998, S. 301). Während Limbaugh seit langem die Tradition fortsetzt, für das gegenwärtige System eine unbestreitbare Eleganz zu reklamieren, sprach er auch in einem Code für den neuen Liberalismus, den Wendy Brown in ihrem Buch „Undoing the Demos: Neoliberalism’s Stealth Revolution“ (2015) dekonstruiert hatte. Der Neoliberalismus, stellt Brown fest,
„[weitet] das Modell des Marktes auf alle Bereiche und Aktivitäten aus – auch dort, wo Geld keine Rolle spielt – und [konfiguriert] den Menschen vollständig als Marktakteur, immer, ausschließlich und überall als homo oeconomicus.“ (Brown, 2015, S. 31)
Diese automatischen Effizienzgewinne in der Wirtschaft sind so bedeutend, dass sie sogar die politische Klasse zum Schweigen bringen. Daniel Fusfeld stellte fest: „Solange ein Wirtschaftssystem ein annehmbares Maß an Sicherheit, wachsenden materiellen Wohlstand und die Möglichkeit einer weiteren Steigerung für die nächste Generation bietet, fragt der Durchschnittsamerikaner nicht, wer die Dinge leitet oder welche Ziele verfolgt werden“ (Fusfeld, 1989, S. 172). Die Werkzeuge der Automatisierung sind so effizient geworden, dass sie nicht nur die Menschen in den traditionellen Arbeitsbereichen ersetzen, sondern auch die Massen davon abzuhalten drohen, sich gegen ihre eigene geplante Marginalisierung und Obsoleszenz zu wehren.
In Bezug auf die Notwendigkeit, dieses System zu erhalten, stellt Silvia Federici fest, dass der Kapitalismus durch die zunehmende Privatisierung die latente Kontrolle über die Produktionsmittel erlangen muss, die für die Reproduktion unseres Lebens von grundlegender Bedeutung sind – das Land, der Wald, das Wasser:
„Der Prozess der Enteignung hat sich heute weiter beschleunigt und … schreitet in einem Tempo voran, das verheerend ist, und er ist … einer der wichtigsten Kämpfe auf dem Planeten, insbesondere in der sogenannten freien Welt. … Wenn man Menschen ihrer Reproduktionsmittel beraubt, beraubt man sie auch des Wissens, das sie bei der Bewirtschaftung des Landes erwerben. Dadurch werden die Menschen auch ihrer politischen … Fähigkeit zur Selbstverwaltung, … gemeinschaftlichen Solidarität und Entscheidungsfindung beraubt.“ (Federici, 2017)
Henry Giroux bezeichnet diese Logik der ständigen Aufopferung als „Wegwerfmaschine“, die „unermüdlich an der Produktion einer unkontrollierten Vorstellung von Individualismus arbeitet, die sowohl soziale Bindungen auflöst als auch jede tragfähige Vorstellung von Handlungsfähigkeit aus der Landschaft der sozialen Verantwortung und ethischen Überlegungen entfernt“ (Giroux, 2014). Die Ideologie entledigt sich der traditionellen Vorstellungen und Werte einer zusammenhängenden Gesellschaft und spaltet und erobert infolgedessen die Menschen – sie zersplittert die Bürger in konkurrierende Stämme von Marktakteuren, deren Möglichkeiten, sich in der sozioökonomischen Landschaft zu engagieren, stark voneinander abweichen.
Die Ideologie trägt dazu bei, den Wert menschlicher Emotionen weiter zu beseitigen (nur insofern, als Emotionen im Interesse der Steigerung des Konsums von Produkten und akzeptablen Ideen manipuliert werden können) (Packard, 1957/2007, S. 32; Bergman, 2018, S. 161). Es sieht die Bürger als hyperrationale Raubtiere, die auf dem freien Markt umherstreifen und zielstrebig auf die Befriedigung ihrer Urtriebe ausgerichtet sind. Das neoliberale Projekt ist die Hund-frisst-Hund-Welt des Sozialdarwinismus, in der nur die physisch Stärksten mit einem Verstand, der so geformt ist, dass er instinktiv nach dem Prinzip des Kaufens und Verkaufens handelt, den zukünftigen globalen Markt überleben werden, der den Zweck und den Sinn einer Zivilgesellschaft ersetzen wird, deren Mitglieder in einem gemeinsamen Sinn für den Wert von Gemeinsamkeit und das Gemeinwohl leben. Pierre Bourdieu hat schon früh auf die Ursachen und Auswirkungen dieses Projekts hingewiesen:
„Die Bewegung in Richtung der neoliberalen Utopie eines reinen und perfekten Marktes wird durch die Politik der finanziellen Deregulierung ermöglicht. (…) in … der Nation, deren Handlungsspielraum immer kleiner wird. Auf diese Weise entsteht eine darwinistische Welt – es ist der Kampf aller gegen alle auf allen Ebenen der Hierarchie, der dadurch unterstützt wird, dass jeder unter den Bedingungen von Unsicherheit, Leid und Stress an seinem Arbeitsplatz und seiner Organisation festhält.“ (Bourdieu, 1998)
Zwei Jahrzehnte nach Bourdieus Beschreibung der erhofften neoliberalen Utopie können wir auch sehen, wie die Ideologie der sozialen Gerechtigkeit eine Schlüsselrolle bei der Auslöschung sozialer Bindungen gespielt hat, da die Werkzeuge der sozialen Medien ironischerweise als Plattformen für eine weitere Tribalisierung der Körperpolitik dienen (Kramer et al., 2014). Abgesehen davon, dass jeder gegen jeden in einem „Krieg aller gegen alle“ kämpft, wurde der politische Körper, wie Miller beobachtet, effektiv zerstückelt und
„- Gesellschaft nach Rasse und Geschlecht sowie nach ‚blau‘ und ‚rot‘ balkanisiert,
so dass die notwendige Solidarität der Habenichtse unmöglich erscheint.
Während diese Entwicklung von der CIA in den späten 60er Jahren beschleunigt, wenn nicht sogar initiiert wurde,
ist sie nun durch die sozialen Medien universalisiert worden, die den illusorischen Trost
eines heftigen Zugehörigkeitsgefühls bieten und es jedem von uns ermöglichen,
sich gegen ‚Trump‘, ‚Putin‘, ‚Killary‘, die ‚Faschisten‘, ‚Homophoben‘, ‚Impfgegner‘, ‚Antisemiten‘ oder was auch immer
für einen anderen Stamm, den wir zu hassen haben, zu wenden.
Auf diese Weise verwandeln die sozialen Medien jeden von uns in einen produktiven Kriegspropagandisten;
und jetzt, da wir alle ‚Schutz vor Ort‘ suchen, haben die meisten von uns kaum etwas anderes zu tun,
als rund um die Uhr auf Facebook, Twitter und Instagram auszuflippen.“ (Miller, persönliche Mitteilung)
Dieses von einer technokratischen Elite geführte System wird so lange unangefochten bleiben, wie das Versprechen von materiellem Wohlstand aufrechterhalten werden kann.
Bertram Gross sieht in dieser entstehenden Ordnung eine „freundliche“ Art von Faschismus, in der „eine konzentriertere, skrupellosere, repressivere und militaristischere Kontrolle durch eine Partnerschaft zwischen Großunternehmen und Großregierungen [darauf abzielt], die Privilegien der Ultrareichen, der Unternehmensaufseher und der hohen Tiere in der militärischen und zivilen Ordnung zu erhalten“ (1980, S. 167). Er weist darauf hin, dass diese Neugestaltung der sozialen Welt im öffentlichen Diskurs als äußerst „vernünftig“ und unaufhaltsam dargestellt wird, weil sie offenkundig geschäftsfreundlich ist – und somit ein wesentlicher Bestandteil der Logik eines effizienten und freien Marktes. Das Problem für Bürgerinnen und Bürger, die Handlungsfähigkeit, Autonomie und Souveränität bewahren wollen, besteht darin, erst einmal zur Kenntnis zu nehmen, wie augenzwinkernd und lächelnd die Konvergenz unter dem Deckmantel des „business as usual“ auch Grundrechte bedroht. Seit dem 11. September 2001 konzentriert sich das „Business as usual“ voll und ganz auf die Stärkung der behaupteten Vorrangstellung von Sicherheit und Schutz, wie sie von der „Big Business-Big Government-Partnerschaft [zwischen] … den Ultra-Reichen, den Aufsehern der Unternehmen und den hohen Tieren der militärischen und zivilen Ordnung“ (Gross, 1980, S. 167) behauptet wird.
Geschwindigkeit und Sicherheit: Es ist zu Ihrem eigenen Besten
„Die Menschheit hat es kaum bemerkt“, so Edwin Black, „als das Konzept der massenhaft organisierten Information still und leise zu einem Mittel der sozialen Kontrolle, einer Kriegswaffe und einem Fahrplan für die Zerstörung von Gruppen wurde“ (Black, 2001, S. 7). Es stellt sich die Frage, welche Bedeutung die Werkzeuge des gegenwärtigen Informationszeitalters für die neue sozioökonomische Ordnung haben. Die Werkzeuge stehen im Zentrum eines im Entstehen begriffenen Systems globaler Sklaverei, dessen Konturen durch die verlockende Integrationspropaganda, die für den fortschreitenden technischen Fortschritt typischen Bilder und die Sprache leicht verwischt werden. Die durch Raffinesse, Geschwindigkeit und Effizienz erzeugte Aufregung verdeckt die Nachricht von der bevorstehenden, weit verbreiteten Gefangenschaft.
Die moderne Geschichte liefert einen Präzedenzfall und einen Kontext. Black identifiziert den Computer, dem wir Form gegeben haben, als das Schlüsselinstrument, das uns mit der Zeit umgestaltet hat. Ohne den Computer in seinen Anfängen hätten die Führer der Nazipartei ihre Pläne zur Identifizierung unerwünschter Personen, zu deren Ausschluss aus der Gesellschaft, zur Beschlagnahmung ihres Vermögens, zur Einweisung in Ghettos, zu ihrer Deportation und schließlich zu ihrer Ausrottung nicht organisieren und durchführen können (Black, 2012).
Mit Hilfe der Hollerith-Maschine von IBM (einem primitiven Vorläufer des heutigen Mikroprozessors) konnte das Dritte Reich Informationen über jeden Vorgang, jede Person oder jeden Ort speichern, indem es in Spalten und Reihen Löcher in Papierkarten stanzte. Das Informationszeitalter, das nicht im Silicon Valley, sondern 1933 in Berlin entstand, individualisiert statistische Informationen. „Ich kann Sie nicht nur als Mitglied der Masse zählen“, stellt Black fest, „sondern ich kann die Informationen, die ich über Sie habe, individualisieren“ (2012) – wo Sie wohnen, welchen Beruf Sie ausüben und wo sich Ihre Bankkonten befinden.
Die vielleicht größte Errungenschaft der Kodierung von Papierkarten mit ethnografischen Daten zeigte sich in ihrer konkreten Ausprägung als Tätowierungen auf den Unterarmen von KZ-Häftlingen. Die nummerierten Zeichen dienten als begriffliche Ketten, die die Gefangenen an die Hollerith-Maschinen banden, die ihr einzigartiges menschliches Wesen in soziale, wirtschaftliche und ethnische Kategorien zerlegten. Kategorien sind der Schlüssel zur Verherrlichung und Ausgrenzung anderer. „Die meisten Kategorisierungen“, so George Lakoff, „erfolgen automatisch und unbewusst, und wenn wir uns ihrer überhaupt bewusst werden, dann nur in problematischen Fällen“ (Lakoff, 1986, S. 6).
Latente Stereotypen und Vorurteile, die Menschen an der Macht haben, werden erst dann bekannt, wenn diese kognitiven Konstrukte in gesprochene Worte, verordnete Politik und/oder Gewalttaten umgesetzt werden. Der problematische Fall der unerwünschten Elemente war für Hitler zum Beispiel ein Dilemma, das zunächst im Kopf entstand, eine bewusste Kategorisierung, die durch ein größeres Bewusstsein für die Bedrohung, die die Juden seiner Meinung nach für die Reinheit der gesamten Kultur und Gesellschaft darstellten, gelöst werden musste. Dies geschah zum Teil dadurch, dass unausgesprochene Gefühle zum Ausdruck gebracht wurden. In seiner Zeit als Propagandaminister entwarf Joseph Goebbels die Leitmotive, die dazu dienten, Juden und andere unerwünschte Personen in die Kategorie der Nichtmenschen einzuordnen. Parallel zur Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung durch die Medien arbeiteten die Tabelliermaschinen, die die gefangenen Menschen unter die wachsamen Augen und Hände der Behörden stellten, die die Werkzeuge für die Endlösung verfeinerten.
Theodore Porter zufolge besteht „eine der Aufgaben der Geschichtswissenschaft darin, die Quellen dessen zu ermitteln, was Enthusiasten als völlig neu und revolutionär verkünden“ (2016). Edwin Black entdeckte in den historischen Aufzeichnungen, wie die Hollerith-Maschine von IBM die Effizienz bei der Bewältigung der langwierigen Routinen und der Aufmerksamkeit, die riesige Mengen von Volkszählungsdaten erforderten, revolutioniert hatte. Endlich konnten riesige numerische Datensätze so bearbeitet werden, dass aus abstrakten Zahlen aussagekräftigere Porträts von realen Menschen wurden. Diese erstaunliche neue Welt der Massendaten verband das Seltsame mit dem Banalen, das Konzeptuelle mit dem Materiellen und die Innovation mit dem Gewöhnlichen.
Black fragt sich, warum sich IBM auf dem Markt der faschistischen Todeslager engagiert hat. „Es ging nie um Antisemitismus“, argumentiert er, „nie um Nazismus; es ging immer um das Geld.“ Es war der Tod, der für eine bestimmte Art des freien Marktes lukrativ gemacht wurde. Während das blinde Streben nach Geld die Früchte menschlicher Tätigkeit zu Produkten für den Massenkonsum auf dem freien Markt formt, droht dieses leidenschaftliche Streben nach Mammon im heutigen Leben paradoxerweise die Menschen ganz oder teilweise in verkäufliche und wegwerfbare Waren zu verwandeln.
Michael Burawoy bezeichnet diesen Prozess als „dritte Welle der Vermarktlichung“ und spricht von aktuellen Märkten, auf denen sogar „Teile des menschlichen Körpers … zu Waren geworden sind, die gekauft und verkauft werden“ (Burawoy, 2017). Wenn also Gefangenschaft und Sklaverei mit dem Auschwitz-Häftling begannen, der mit einer analogen Hollerith-Nummer tätowiert wurde (wie Blacks Forschung zeigt), wird die neue Sklaverei mit einem KZ-Häftling enden, der in der globalen Matrix mit einer digitalen Nummer mikrogechippt wird. Die Werkzeuge der Matrix tauchen derzeit überall auf, die intelligenten Kameras und Sensoren der realen Welt, ergänzt durch die Brillen der virtuellen Realität im Internet der Dinge (IoT). Sie werden den Menschen in cleveren Marketingkampagnen von der Machtelite aufgedrängt. Dieser unaufhaltsame Marsch in Richtung freiwilliger Sklaverei in einer neuen Ordnung der globalen Wirtschaft sollte all jene nicht überraschen, die mit Unbehagen die Anwendung von Big Data auf alle Produkte und Waren, sowohl organische als auch anorganische, beobachtet haben.
Der Universal Product Code (UPC) ist ein 12-stelliger numerischer Identifikator, der erstmals 1971 für Handelswaren verwendet wurde. Das allgegenwärtige IBM-Design des UPC, wie wir es heute kennen, revolutionierte die Verfolgung und Kontrolle des gesamten Materialbestands am Verkaufsort. Kurz darauf wurde der Strichcode (wie er heute bekannt ist) auch für die Kennzeichnung von Vieh verwendet. In den meisten Fällen ist eine Markierung (oder ein Brandzeichen) auf einem Tier ein prima facie-Beweis für das Eigentum. Heute ist das Eigentumsmerkmal der neue IBM/Sony „PersonalCell“-Chip – ein Hochfrequenz-Identifikationschip (RFID), „kleiner als ein Reiskorn“ (Abate, 2014) und implantierbar unter die Haut, nicht nur bei Nutz- und Haustieren, sondern vor allem bei Menschen. Legt der implantierbare Chip tatsächlich den Grundstein für eine totalitäre Dystopie?
Jefferson Graham erinnert uns daran, dass Menschen von der Machtelite nur als Haustiere betrachtet werden: „Sie werden gechipt – irgendwann“ (Graham, 2019), stellt er fest. Die Schlagzeile stellt die neuen Werkzeuge als autonome Bedrohung der menschlichen Handlungsfähigkeit und Souveränität dar, so wie die Hunde des Krieges, die auf Feinde losgelassen werden, ihre Opfer zerfleischen. „Der Trend“, so Lee Brown, „fällt mit Schwedens Marsch in Richtung Bargeldlosigkeit zusammen, wobei Banknoten und Münzen nur noch 1 Prozent der schwedischen Wirtschaft ausmachen“ (Associated Press, 2017; Savage, 2018; Brown, 2019). Ein Großteil des Diskurses über die Bedrohung des Systems (Broudy und Tanji, 2018) und der menschlichen Handlungsfähigkeit und Souveränität ist durchdrungen von Kriegsbildern, die den Menschen gegen seine Maschinen ausspielen.
Die Mainstream-Propaganda verschleiert jedoch weitgehend die Pläne der Akteure hinter dem Krieg, des Netzwerks technokratischer Profiteure, deren Argumente den öffentlichen Diskurs beherrschen. Mit ungehindertem Zugang zu den Mainstream-Medien, die ihnen gehören, verwalten und manipulieren die Technokraten, die die Drehbücher für die neue Wirtschaft schreiben, „Informationen in [dieser] datengesteuerten Welt … die heute als aufregend, sexy und absolut modern gilt. Und das nicht zum ersten Mal … Spätestens seit der Druckkultur ist der Nervenkitzel der Daten mit schönen neuen Technologien verbunden“ (Porter, 2016). Der implantierbare Chip ist ein „schönes neues“ Werkzeug, dessen Verwendung in den Nachrichtenmedien der Konzerne nun normalisiert wird. Seine angeblichen Effizienzgewinne werden als so aufregend und lebenswichtig dargestellt, dass niemand im Mainstream kritisch hinterfragt, wohin diese Werkzeuge die Menschheit führen werden.
In der 2010 erschienenen Publikation „Scenarios for the Future of Technology and International Development“ [Szenarien für die Zukunft der Technologie und der internationalen Entwicklung, Anm. d. Übersetzers] stellte der Präsident der Rockefeller Foundation fest: „Eine wichtige – und neuartige – Komponente unseres Strategie-Instrumentariums ist die Szenarienplanung, ein Prozess, bei dem Erzählungen über die Zukunft auf der Grundlage von Faktoren erstellt werden, die sich wahrscheinlich auf eine bestimmte Gruppe von Herausforderungen und Möglichkeiten auswirken werden“ (Rodin, 2010, S. 4). Die elitären Geschichtenerzähler brauchen ein globales Publikum, das ihre neuesten Erzählungen aufmerksam zur Kenntnis nimmt.
Schlussfolgerung
Wir schließen mit einer geschichtlichen Betrachtung – die den Lesern zu denken geben soll: dem Gespenst einer technokratischen Dystopie im Zusammenhang mit dem entstehenden „militärisch-industriellen Komplex“ (Eisenhower, 1961). Aldous Huxley hatte die Welt vier Jahre vor der berühmten Abschiedsbotschaft von Präsident Dwight D. Eisenhower gewarnt, in der er die Bürger vor einer neuen Bedrohung des Friedens warnte. Huxleys Interview mit dem Journalisten Mike Wallace sagt eine Zeit voraus, in der die von der Machtelite kontrollierte Öffentlichkeitsarbeit die Fähigkeit des Menschen zur Vernunft zu untergraben droht und damit wie ein Trojanisches Pferd den Weg für Angriffe auf Menschenrechte und Souveränität öffnet. Huxley geht von der bereits von Walter Lippmann formulierten Voraussetzung aus, dass die Regierenden „die Zustimmung“ (Lippmann, 1922, S. 248) des Volkes, das sie regieren, herstellen müssen.
„… wenn man seine Macht auf unbestimmte Zeit erhalten will, muss man die Zustimmung der Beherrschten bekommen,
und das werden sie teils durch Drogen tun, wie ich es in Brave New World voraussah,
teils durch diese neuen Techniken der Propaganda.“ (Huxley, 1958)
Selbst ein Blick auf die seit den frühen 1960er Jahren ständig zunehmende Besessenheit der Vereinigten Staaten von Verschreibungen und Medikamenten und den Aufstieg der amerikanischen Pharma-Hegemonie wird dem zufälligen Beobachter klar machen, dass große Teile der Bevölkerung durch jahrzehntelange „massive Überverschreibung“ gefügig und bequem betäubt, zum Schweigen gebracht, sediert und marginalisiert wurden (Frances, 2012; Insel, 2014).
„Sie werden es tun“, bemerkt Huxley, „indem sie die rationale Seite des Menschen umgehen und an sein Unterbewusstsein und seine tieferen Emotionen und sogar seine Physiologie appellieren und ihn so dazu bringen, seine Sklaverei tatsächlich zu lieben“ (1958). Mit der Fülle an persönlichen Heimassistenten von Amazon, Apple, Google, Microsoft, Facebook und anderen, die jetzt in unzähligen Haushalten auftauchen, wurde die tiefe universelle Sehnsucht nach sozialer Verbindung, Sicherheit und Geborgenheit durch ständiges Abhören von den führenden Händlern, Vermarktern und dem Staat bedient (Broudy und Klaehn, 2019; Fowler, 2019). Da die allgegenwärtige Angst vor einem neuen bedrohlichen Terror, der von den führenden Propagandisten in den Mainstream-Medien mythologisiert wird, durch den einfachen, effizienten und allgegenwärtigen Zugang zu Gütern und Dienstleistungen gemildert wird, bleiben die Menschen „sehr anfällig dafür, extreme Notfallmaßnahmen zu akzeptieren“ (Robinson, 2020). „Ich denke, die Gefahr ist, dass die Menschen unter dem neuen Regime in gewisser Weise glücklich sein können, aber dass sie in Situationen glücklich sind, in denen sie nicht glücklich sein sollten“ (Huxley, 1958).
1944 sah Karl Polanyi drei „Fiktionen“ am Werk, die das Funktionieren einer solchen Marktwirtschaft ermöglichten: (a) Das menschliche Leben konnte den Marktanforderungen untergeordnet und als „Arbeit“ rekonstituiert werden; (b) die natürliche Welt konnte dem „Grundbesitz“ untergeordnet und als solcher rekonstituiert werden; und (c) der Tauschvorgang konnte als „Kapital“ rekonstituiert werden. Alles Leben, die Natur und der Tausch wurden in Dinge verwandelt, die auf Rentabilität ausgerichtet waren. „Eine solche Institution könnte nicht für längere Zeit bestehen“, argumentierte Polanyi, „ohne die menschliche und natürliche Substanz der Gesellschaft zu vernichten“ (Polanyi, 1944/2001, S. 3). Heute sieht Michael Rectenwald Polanyis „große Transformation“ als „Archipel Google“, in dem „Big Digital“ die menschliche Souveränität bedroht mit seinen „erweiterten Fähigkeiten zur Überwachung, Beobachtung, Aufzeichnung, Verfolgung, Gesichtserkennung, Roboterschwärmen, Kontrolle, Eingrenzung, sozialen Bewertung, Fesselung, Bestrafung, Ächtung, Entpersönlichung oder zur anderweitigen Kontrolle von Bevölkerungen…“ (2019, p. 30).
Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Textes sehen wir in der gegenwärtigen COVID-19-Pandemie einen klaren Weg in Richtung der „schönen neuen Welt“ von „Big Digital“ – das geplante Verschwinden der harten Währung und ihr Ersatz, der in Menschen implantiert wird, die zur sozialen Distanz verpflichtet sind; der Mikrochip als Big-Tech-Retter, der von den „Super-Raubtieren ohne Gewissen und ohne Empathie“ (Clinton, 1996) wiederbelebt wird. Obwohl, wie wir erörtert haben, der „freundliche“ Faschismus in verschiedenen Formen auftritt, „fällt es vielen besonders schwer, Bill Gates als gefährlichen autoritären und eugenischen Eiferer wahrzunehmen“, der diese pastellfarbenen Pullover und dieses alberne Grinsen trägt, eher wie Kermit der Frosch als Adolf Hitler klingt und seine öffentlichen Reden mit altruistisch klingenden Begriffen spickt“ (Frank, 2009; Harlow, 2009; Miller, persönliche Mitteilung). Wir fordern die Leser jedoch auf, über die Bemühungen nachzudenken, die „von der Bill & Melinda Gates Foundation“ und anderen derzeit unternommen werden, um in die unantastbare souveräne Integrität der Menschen mit „injizierbaren Nanopartikeln, die private Informationen preisgeben“, einzudringen (Wu, 2019).
Seit der Veröffentlichung von Windows 3.0. im Jahr 1990 geht der unerbittliche Kampf gegen Viren weiter. Wir fragen uns, was es uns alle wirklich kosten wird, uns gegen die Art von monopolistischer Grausamkeit zu impfen, die jetzt den Aufbau des globalen „Kontrollnetzes“ (Eclinik, 2019) inspiriert und uns beschwört, die neumodischen injizierbaren Lösungen zu akzeptieren.
Erklärung zur Datenverfügbarkeit
Die in der Studie präsentierten Originalbeiträge sind in dem Artikel/den ergänzenden Materialien enthalten, weitere Anfragen können an den/die entsprechenden Autor/en gerichtet werden.
Beiträge der Autoren
Daniel Broudy analysierte die westliche Propaganda, die dazu dient, die Menschen in das wachsende globale Bestreben einzubinden, die menschliche Autonomie und Handlungsfähigkeit zu vereinnahmen und die Souveränität durch angebliche wirtschaftliche und gesundheitliche Zwänge zu verletzen. Makoto Arakaki führte die kritische Lektüre des Quellenmaterials durch und ermittelte geeignete Referenzen für die Zitierung und Aufnahme in das Literaturverzeichnis und die Anmerkungen.
Interessenskonflikte
Die Autoren erklären, dass die Forschung in Abwesenheit jeglicher kommerzieller oder finanzieller Beziehungen durchgeführt wurde, die als potenzieller Interessenskonflikt ausgelegt werden könnten.
Danksagungen
Unser Dank gilt Mark Crispin Miller, Jeffery Klaehn, Tabe Bergman, Matthew Alford und Robert Walsh für die kritische Durchsicht früherer Entwürfe.
Fußnoten
1 C. Wright Mills definiert die Machtelite als „Herrschaft über die wichtigsten Hierarchien und Organisationen der modernen Gesellschaft“. Sie beherrschen die großen Unternehmen. Sie betreiben den Staatsapparat und beanspruchen dessen Vorrechte. Sie leiten das militärische Establishment. Sie besetzen die strategischen Kommandoposten der sozialen Struktur, in denen sich nun die effektiven Mittel der Macht, des Reichtums und der Berühmtheit, die sie genießen, konzentrieren“ (1956, S. 73-74).
2 Michael Burawoy beschreibt dies als die „dritte Welle der Vermarktung“, die im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts begann und die Kommodifizierung von Umwelt, Land, Luft und Wasser einschließt.
3 Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Defense.gov News Transcript: DoD News Briefing, Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten.
4 Dieses besondere Detail der Kernattribute der Plutonomie könnte nach dem darauf folgenden globalen Finanzzusammenbruch 2008 kritischer hinterfragt worden sein.
5 Michael Burawoy erörtert die „dritte Welle der Vermarktlichung“ und das Vordringen des so genannten freien Marktes in immer mehr Aspekte unseres Lebens. Er beschreibt, dass „die Kommerzialisierung der Natur – vom Körper bis zur Umwelt – im letzten Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht hat und mit dem Eintritt in das einundzwanzigste Jahrhundert an Dynamik gewinnt. Hinter dieser dritten Welle steht eine Wirtschaftsklasse von globalem Ausmaß, die die Nationalstaaten für ihre Zwecke einspannt, Kriege des Terrors anzettelt und mobile Bevölkerungen verzweifelter und mittelloser Arbeiter ausbeutet.“
6 Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Citibank-Bericht zwar vor dem Zusammenbruch der Finanzmärkte im Jahr 2008 erschien, die Ungleichheit von Vermögen und Einkommen aber seither ein hartnäckiges Merkmal der Plutonomien geblieben ist. Während Kapur später seine Empfehlung, immer auf die Reichen zu setzen, zu ändern schien, versäumte er es, den Umbruch in Frankreich zu zitieren, der sich nun im dritten Jahr befindet, um die neoliberale Ordnung umzukehren: „Die Geschichte zeigt, dass die Ungleichheit von mächtigen Kräften angetrieben wird, die schwer umzukehren sind und oft zu Unruhen und Gewalt führen“ (Dimitrieva, 2019).
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Die schockierenden Ursprünge des Falles Jeffrey Epstein
Von Whitney Webb: Sie ist eine MintPress News-Journalistin mit Sitz in Chile. Sie hat für verschiedene unabhängige Medien gearbeitet, darunter Global Research, EcoWatch, das Ron Paul Institute und 21st Century Wire, um nur einige zu nennen. Sie hat mehrere Radio- und Fernsehauftritte absolviert und ist die Gewinnerin des Serena Shim Award 2019 für kompromisslose Integrität im Journalismus.
Epstein ist nur die jüngste Inkarnation einer viel älteren, umfangreicheren und raffinierteren Operation, die einen erschreckenden Einblick darin gewährt, wie tief die US-Regierung mit den modernen Äquivalenten des organisierten Verbrechens verbunden ist.
Trotz seines „Sweetheart“-Deals und obwohl er scheinbar der Justiz entgangen ist, wurde der Milliardär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Anfang dieses Monats wegen Sexhandels von Minderjährigen unter mehreren Bundesanklagen verhaftet [1]. Epsteins Verhaftung hat die Aufmerksamkeit der Medien erneut auf viele seiner berühmten Freunde gelenkt, darunter auch den aktuellen Präsidenten (Donald Trump, Anm. d Übers.).
Seitdem wurden viele Fragen darüber gestellt, wie viele von Epsteins berühmten Freunden von seinen Aktivitäten wussten und was Epstein genau vorhatte. Letzteres erhielt wohl die meiste Aufmerksamkeit, nachdem berichtet wurde, dass Alex Acosta – der Epsteins „Sweetheart“-Deal im Jahr 2008 arrangierte und kürzlich nach Epsteins Verhaftung als Donald Trumps Arbeitsminister zurücktrat [2] – behauptete, der mysteriöse Milliardär habe für den „Geheimdienst“ gearbeitet [3].
Andere Untersuchungen haben immer deutlicher gemacht, dass Epstein eine Erpressungsoperation betrieb [4], da er die Veranstaltungsorte – ob in seiner New Yorker Villa oder auf seiner karibischen Insel – mit Mikrofonen und Kameras verwanzt hatte, um die anzüglichen Interaktionen aufzuzeichnen, die zwischen seinen Gästen und den minderjährigen Mädchen, die Epstein ausnutzte, stattfanden. Epstein schien eine Menge Material aus diesen Erpressungen in einem Safe auf seiner Privatinsel gesichert zu haben [5].
Behauptungen über Epsteins Verbindungen und seine Beteiligung an einer ausgeklügelten, gut finanzierten sexuellen Erpressungs-Operation haben überraschenderweise nur wenige Medien dazu veranlasst, die Geschichte von Geheimdiensten – sowohl in den USA als auch im Ausland – zu untersuchen, die ähnliche sexuelle Erpressungs-Operationen durchführen, und in die auch viele minderjährige Prostituierte involviert wurden.
Allein in den USA betrieb die CIA landesweit zahlreiche sexuelle Erpressungs-Operationen und setzte Prostituierte ein, um ausländische Diplomaten ins Visier zu nehmen [6]. Dies bezeichnete die Washington Post einmal als die „Liebesfallen“ der CIA. Wenn man noch weiter in der US-Geschichte zurückgeht, wird deutlich, dass diese Taktiken und ihr Einsatz gegen mächtige politische und einflussreiche Persönlichkeiten wesentlich älter sind als die CIA – und sogar älter als deren Vorläufer, das Office of Strategic Services (OSS). In der Tat wurden sie Jahre zuvor von niemand anderem als der amerikanischen Mafia entwickelt.
Im Zuge dieser Untersuchung entdeckte MintPress, dass eine Handvoll Figuren, die während und nach der Prohibition einflussreich im organisierten Verbrechen Amerikas tätig waren, direkt in sexuelle Erpressungs-Operationen verwickelt waren. Die sie für ihre eigenen, oft dunklen Zwecke nutzten.
In Teil I dieser exklusiven Untersuchung wird MintPress eruieren, wie ein mit der Mafia verbundener Geschäftsmann mit tiefgreifenden Verbindungen zum berüchtigten Gangster Meyer Lansky, enge Beziehungen zum Federal Bureau of Investigation (FBI) entwickeln konnte – während er gleichzeitig jahrzehntelang eine sexuelle Erpressungsoperation betrieb, die später ein verdeckter Teil des antikommunistischen Kreuzzugs der 1950er Jahre wurde. Diese wurde von Senator Joseph McCarthy (R-WI) angeführt, der selber in ganz Washington für seine Angewohnheit bekannt war, betrunken minderjährige Mädchen zu befummeln.
Dennoch sollte es einer von McCarthys engsten Mitarbeitern sein, der in späteren Jahren den Ring übernahm. Er handelte mit Minderjährigen und weitete die sexuelle Erpressung aus, während er gleichzeitig seinen eigenen politischen Einfluss ausbaute. Dies brachte ihn in engen Kontakt mit prominenten Persönlichkeiten, unter denen sich der ehemalige Präsident Ronald Reagan befand sowie ein Mann, der später Präsident werden sollte: Donald Trump.
Wie in Teil II gezeigt werden wird, wurde die Erpressungs-Operation nach dem Tod dieser Figur unter verschiedenen Nachfolgern in verschiedenen Städten fortgesetzt. Es gibt starke Hinweise darauf, dass Jeffrey Epstein einer von ihnen wurde.
Samuel Bronfman und die Mafia
Die Ära der Prohibition in den Vereinigten Staaten wird oft als Beispiel dafür herangezogen, wie das Verbot von Partydrogen nicht nur deren Popularität erhöht, sondern auch einen Boom krimineller Aktivitäten verursacht. In der Tat war es die Prohibition, die die amerikanische Mafia erstarken ließ. Die obersten Verbrecherfürsten dieser Zeit wurden durch den heimlichen Handel und Verkauf von Alkohol reich – zusätzlich zum Glücksspiel und anderen Aktivitäten.
Es ist das Schmuggelgeschäft der 1920er und frühen 1930er Jahre, mit dem diese Geschichte beginnt, denn er brachte Schlüsselfiguren zusammen, deren Nachfolger und Partner schließlich eine Reihe von Erpressungs- und Sexhandels-Ringen ins Leben rufen sollten. Aus denen Jeffrey Epstein, der „Lolita Express“ und „Orgy Island“ hervorgehen sollten.
Samuel Bronfman hatte nie vor, ein großer Alkoholproduzent zu werden, aber getreu dem Nachnamen seiner Familie, der auf Jiddisch „Schnapsmann“ bedeutet, begann er schließlich mit dem Vertrieb von Alkohol, als Erweiterung des Hotelgeschäfts seiner Familie. Während der kanadischen Prohibitionszeit, die kürzer war als die des südlichen Nachbarn und dieser vorausging, nutzte das Bronfman-Familien-Unternehmen Schlupflöcher, um das Gesetz zu umgehen und technisch legale Wege zu finden, Alkohol in den Hotels und Geschäften zu verkaufen, die der Familie gehörten [7]. Die Familie verließ sich auf ihre Verbindungen zu Mitgliedern der amerikanischen Mafia, um illegal Alkohol aus den Vereinigten Staaten zu schmuggeln.
Kurz nachdem die Prohibition in Kanada endete, begann sie in den Vereinigten Staaten. Als sich der Strom des illegalen Alkohols von der einen in die andere Richtung umkehrte, waren die Bronfmans – deren Geschäfte damals von Sam Bronfman und seinen Brüdern geführt wurden – relativ spät dran für ein bereits florierendes Schmuggelgeschäft.
„Wir waren Spätstarter auf den beiden lukrativsten Märkten – auf hoher See und jenseits des Detroit River. Was aus dem Grenzhandel in Saskatchewan kam, war im Vergleich dazu unbedeutend“, sagte Bronfman einmal dem kanadischen Journalisten Terence Robertson [8], der damals eine Biografie über Bronfman schrieb. Nichtsdestotrotz: „Das war der Zeitpunkt, an dem wir anfingen, richtig Geld zu machen“, erzählte Bronfman. Robertsons Biografie über Bronfman wurde nie veröffentlicht, da er unter mysteriösen Umständen starb, kurz nachdem er seine Kollegen gewarnt hatte, dass er unappetitliche Informationen über die Familie Bronfman aufgedeckt hatte [9].
Der Schlüssel zu Bronfmans Erfolg während der amerikanischen Prohibition waren die Verbindungen, die seine Familie während der kanadischen Prohibition zum organisierten Verbrechen gepflegt hatte. Verbindungen, die viele prominente Mitglieder der Mafia in den Vereinigten Staaten dazu brachten, Bronfman als Geschäftspartner zu bevorzugen. Bronfman-Schnaps wurde in großen Mengen von vielen Verbrecherfürsten gekauft, die in der amerikanischen Legende noch immer weiterleben, darunter Charles „Lucky“ Luciano, Moe Dalitz, Abner „Longy“ Zwillman und Meyer Lansky [10].
Die meisten von Bronfmans Mafia-Kollegen während der Prohibition waren Mitglieder dessen, was als Nationales Verbrechersyndikat bekannt wurde und welches ein Untersuchungsgremium des Senats aus den 1950er Jahren, das Kefauver-Komitee, als eine von der italienisch-amerikanischen und jüdisch-amerikanischen Mafia dominierte Konföderation beschrieb. Während dieser Untersuchung benannten einige der größten Namen der amerikanischen Mafia Bronfman als eine zentrale Figur in ihren Schmuggelgeschäften [11]. Die Witwe des berüchtigten amerikanischen Mafiabosses Meyer Lansky erzählte sogar, wie Bronfman üppige Dinnerpartys für ihren Mann geschmissen hat.
Jahre später wurden Samuel Bronfmans Kinder und Enkel – ihre Familien-Verbindungen zur kriminellen Unterwelt waren weiterhin intakt – enge Partner von Leslie Wexner, der angeblich die Quelle eines Großteils des geheimnisvollen Reichtums Epsteins war. Die Bronfmans wurden auch Partner anderer, mit der Mafia verbundener „Philanthropen“. Einige davon betrieben ihre eigenen sexuellen Erpressungs-Operationen, einschließlich des kürzlich aufgeflogenen „Sex-Kult“ NXIVM, der auf Erpressung basierte [12]. Die späteren Generationen der Bronfman-Familie, insbesondere Samuel Bronfmans Söhne Edgar und Charles, werden in Teil II dieses Berichts ausführlicher behandelt.
Das dunkle Geheimnis von Lewis Rosenstiel
Entscheidend für Bronfmans Schmuggelgeschäfte während der Prohibitions-Ära waren zwei Mittelsmänner, von denen einer Lewis „Lew“ Rosenstiel war [13]. Rosenstiel begann vor der Prohibition in der Brennerei seines Onkels in Kentucky zu arbeiten. Als das Gesetz zum Verbot von Alkohol in Kraft war, gründete Rosenstiel die Schenley Products Company, die später zu einem der größten Spirituosen-Unternehmen in Nordamerika werden sollte.
Obwohl er ein High School-Abbrecher und zu dieser Zeit gesellschaftlich nicht besonders gut vernetzt war, hatte Rosenstiel 1922 während eines Urlaubs an der französischen Riviera eine „zufällige“ Begegnung mit Winston Churchill. Laut der New York Times „riet Churchill ihm [Rosenstiel], sich auf die Rückkehr des Alkoholverkaufs in den Vereinigten Staaten vorzubereiten“ [14]. Rosenstiel schaffte es irgendwie, sich die Finanzierung der elitären und angesehenen Wall-Street-Firma Lehman Brothers zu sichern, um seinen Kauf von stillgelegten Brennereien zu finanzieren [15].
Offiziell heißt es, Rosenstiel habe sein Unternehmen und sein Vermögen nach der Prohibition aufgebaut, indem er Churchills Rat befolgte, sich auf die Aufhebung der Prohibition vorzubereiten. Er war jedoch eindeutig in Alkoholschmuggel-Geschäfte verwickelt und wurde 1929 sogar wegen Alkoholschmuggels angeklagt, obwohl er sich einer Verurteilung entziehen konnte. Wie Bronfman stand auch Rosenstiel dem organisierten Verbrechen nahe, insbesondere den Mitgliedern der meist jüdisch-amerikanischen und italienisch-amerikanischen Mafia-Allianz, die als National Crime Syndicate (Nationales Verbrechersyndikat) bekannt war.
Nachfolgende Untersuchungen der Legislative des Staates New York sollten aufzeigen, dass Rosenstiel „Teil eines ‚Konsortiums‘ mit Unterweltfiguren war, die Alkohol in Kanada [von Samuel Bronfman] kauften“ [16]. Dessen andere Mitglieder waren „Meyer Lansky, der angebliche Anführer des organisierten Verbrechens; Joseph Fusco, ein Mitarbeiter des verstorbenen Chicagoer Gangsters Al Capone und Joseph Linsey, ein Mann aus Boston, den Mr. Kelly [der aussagende Untersuchungsbeauftragte des Kongresses] als einen verurteilten Schmuggler identifizierte.“ [17] Rosenstiels Beziehung zu diesen Männern, insbesondere zu Lansky [18], sollte noch lange nach der Prohibition fortbestehen. Samuel Bronfman seinerseits sollte ebenfalls seine Mafia-Verbindungen aufrechterhalten.
Neben seinen Freunden in der Mafia pflegte Rosenstiel auch enge Beziehungen zum FBI. Er entwickelte eine enge Beziehung zum langjährigen FBI-Direktor J. Edgar Hoover [19] und machte 1957 Louis Nichols, Hoovers rechte Hand und langjähriger Assistent beim FBI, zum Vizepräsidenten seines Schenley-Imperiums [20].
Trotz ihres ähnlichen Hintergrunds als Schmugglerbarone, die zu „respektablen“ Geschäftsleuten wurden, unterschieden sich Bronfmans und Rosenstiels Persönlichkeiten drastisch und ihre Beziehung war bestenfalls kompliziert. Ein Beispiel für die Verschiedenheit von Nordamerikas Top-Spirituosen-Baronen war der Umgang mit ihren Mitarbeitern. Bronfman war nicht unbedingt dafür bekannt, ein grausamer Chef zu sein, während Rosenstiel für sein sprunghaftes und „monströses“ Verhalten gegenüber den Angestellten bekannt war, ebenso wie für seine ungewöhnliche Praxis, seine Büros zu verwanzen, um zu hören, was die Angestellten über ihn sagten, wenn er nicht anwesend war [21].
Solche Unterschiede zwischen Bronfman und Rosenstiel spiegelten sich auch in ihrem Privatleben wider. Während Bronfman nur einmal heiratete und seiner Frau treu war, war Rosenstiel fünfmal verheiratet und für seine relativ verdeckten bisexuellen Eskapaden bekannt. Ein Teil seines Lebens, der vielen seiner engen Mitarbeiter und Angestellten bekannt war [22].
Obwohl es jahrelang nur Hinweise auf diese andere Seite des umstrittenen Geschäftsmannes gab, tauchten Jahre später während eines Scheidungsverfahrens, das von Rosenstiels vierter Ehefrau, Susan Kaufman, angestrengt wurde, Details auf, die diese Behauptungen untermauern sollten. Kaufman behauptete, dass Rosenstiel extravagante Partys veranstaltete, zu denen auch „männliche Prostituierte“ gehörten, die ihr Mann „zum Vergnügen“ bestimmter Gäste angeheuert hatte [23]. Zu den Gästen dieser Partys gehörten wichtige Regierungsbeamte und prominente Persönlichkeiten der kriminellen Unterwelt Amerikas [24]. Kaufman würde später die gleichen Aussagen bei der Anhörung des New Yorker State Joint Legislative Committee on Crime in den frühen 1970er Jahren unter Eid wiederholen.
Rosenstiel organisierte diese Partys nicht nur, sondern er sorgte auch dafür, dass die Veranstaltungsorte mit Mikrofonen verwanzt wurden, die die Eskapaden seiner hochkarätigen Gäste aufzeichneten. Diese Audio-Aufnahmen wurden dann zum Zweck der Erpressung behalten, behauptete Kaufman. Obwohl Kaufmans Behauptungen schockierend sind, wurde ihre Aussage vom ehemaligen Chefjustiziar des Verbrechenskomitees, dem New Yorker Richter Edward McLaughlin und dem Ermittler des Komitees, William Gallinaro, für glaubwürdig gehalten und hoch geachtet [25]. Aspekte ihrer Aussage wurden später von zwei separaten Zeugen bestätigt, die Kaufman unbekannt waren.
Diese „Erpresser-Partys“ bieten einen Einblick in eine Operation, die später ausgeklügelter werden und in den 50er Jahren unter Rosenstiels „Feldkommandeur“ (ein Spitzname, den Rosenstiel einer Person gab, die in diesem Bericht in Kürze genannt werden wird) dramatisch anwachsen sollte. Viele der Personen, die in den 70er und 80er Jahren mit Rosenstiels „Feldkommandanten“ in Verbindung standen, haben nach der kürzlichen Verhaftung Jeffrey Epsteins ihre Namen in der Presse wiedergefunden.
Der „Unantastbare“ Mafioso
Bronfman und Rosenstiel wurden im nordamerikanischen Spirituosengeschäft legendär. Unter anderem wegen ihres Kampfes um die Vorherrschaft in der Branche, der laut New York Times oft „in erbitterten persönlichen und unternehmerischen Kämpfen“ ausbrach [26]. Trotz ihrer Duelle in der Geschäftswelt verband die beiden Geschäftsleute vor allem eines: ihre enge Verbindung zum organisierten Verbrechen in Amerika, insbesondere zum berühmten Mafioso Meyer Lansky.
Lansky ist einer der berüchtigtsten Gangster in der Geschichte des organisierten Verbrechens in Amerika. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er der einzige – unter den in den 1920er Jahren berühmt gewordenen Mafiosi – war, der es schaffte, als alter Mann zu sterben und nie einen Tag im Gefängnis zu verbringen.
Lanskys langes Leben und seine Fähigkeit, Gefängnisstrafen zu vermeiden, waren größtenteils das Ergebnis seiner engen Beziehungen zu mächtigen Geschäftsleuten wie Bronfman und Rosenstiel (neben vielen anderen), dem Federal Bureau of Investigation (FBI) und den US-Geheimdiensten. Auch seine Rolle beim Aufbau mehrerer Erpressungs- und Schutzgelderpressungs-Ringe, half ihm, das Gesetz auf Distanz zu halten. Als Lansky in den 1970er Jahren schließlich eines Verbrechens angeklagt wurde, war es der Internal Revenue Service, der die Anklage erhob, und nicht das FBI. Er wurde wegen Steuerhinterziehung angeklagt und freigesprochen.
Lansky stand sowohl Bronfman als auch Rosenstiel bemerkenswert nahe. Bronfman schmiss regelmäßig „verschwenderische Dinnerpartys“ zu Lanskys Ehren, sowohl während als auch nach der Prohibition [27]. Diese Partys sind Lanskys Frau in guter Erinnerung geblieben, und Lansky wiederum tat Bronfman Gefallen, die vom exklusiven Schutz seiner Lieferungen während der Prohibition bis hin zur Beschaffung von Eintrittskarten für begehrte „Kampf des Jahrhunderts“-Boxkämpfe reichten.
Rosenstiel schmiss ebenfalls regelmäßig Dinnerpartys zu Ehren von Lansky. Susan Kaufman, Rosenstiels Ex-Frau, behauptete, zahlreiche Fotos von ihrem Ex-Mann und Lansky beim geselligen Beisammensein und Feiern gemacht zu haben. Fotos, die auch von Mary Nichols vom Philadelphia Inquirer gesehen wurden [28]. Darüber hinaus war Lansky nach Kaufmans Erinnerung eine der Personen, die Rosenstiel vor rechtlichen Untersuchungen zu schützen versuchte, die im Zuge seines Kinderprostitutions- und Erpressungs-Rings aufkommen könnten. Bei diesen Erpressungen wurden hochrangige Beamte ins Visier genommen. Rosenstiel wurde dabei belauscht, als er sagte, falls die Regierung „jemals Druck gegen Lansky ausübt oder gegen einen von uns, werden wir das hier [eine bestimmte Aufnahme, die auf einer der ‚Partys‘ gemacht wurde] zur Erpressung verwenden.“ [29]
Lansky war dafür bekannt, Rosenstiel als „Obersten Befehlshaber“ zu bezeichnen [30]. Ein Titel, der später von einem anderen Individuum – das eng mit der Mafia und sexuellen Erpressungs-Operationen verbunden war – auf Rosenstiel angewandt wurde, und das schon zuvor in diesem Bericht als Rosenstiels „Feldkommandant“ bezeichnet wurde [31].
Lansky hatte auch enge Verbindungen zur CIA und dem militärischen Geheimdienst der USA. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Lansky – zusammen mit seinem Partner Benjamin „Bugsy“ Siegel – mit dem Marinegeheimdienst zusammen. Dies wurde unter dem Codenamen „Operation Underworld“ bekannt [32], eine Operation, deren Existenz die Regierung über 40 Jahre lang leugnete.
Der Journalist und bekannte Chronist von verdeckten CIA-Aktivitäten, Douglas Valentine, bemerkte in seinem Buch „The CIA as Organized Crime: How Illegal Operations Corrupt America and the World“ („Die CIA als organisiertes Verbrechen: Wie illegale Operationen Amerika und die Welt korrumpieren“) [33], dass die Zusammenarbeit der Regierung mit der Mafia während des Zweiten Weltkriegs zu ihrer Expansion nach dem Krieg führte und die Voraussetzungen für ihre zukünftige Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst schuf.
Laut Valentine:
„Top-Regierungsbeamte waren sich auch bewusst, dass der faustische Pakt der Regierung mit der Mafia während des Zweiten Weltkriegs den Ganoven erlaubte, sich im Mainstream Amerikas einzuschleichen. Im Gegenzug für die während des Krieges geleisteten Dienste wurden die Mafia-Bosse für Dutzende von ungelösten Morden vor der Strafverfolgung geschützt. […] Die Mafia war 1951 [als das Kefauver-Komitee [34] einberufen wurde] ein großes Problem, vergleichbar mit dem Terrorismus heute. Aber sie war auch ein geschützter Zweig der CIA, die an kriminellen Organisationen auf der ganzen Welt beteiligt war und sie in ihrem geheimen Krieg gegen die Sowjets und Rotchinesen einsetzte. Die Mafia hatte mit Uncle Sam kollaboriert und war gestärkt und ermächtigt aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen. Sie kontrollierten Städte im ganzen Land.“
In der Tat knüpfte die CIA nicht lange nach ihrer Gründung, auf Geheiß von James J. Angleton, des CIA-Gegenspionagechefs, Verbindungen zu Lansky. Die CIA wandte sich später in den frühen 1960er Jahren an die mit Lansky verbundene Mafia als Teil ihrer durchweg aussichtslosen Versuche, den kubanischen Führer Fidel Castro zu ermorden [35]. Dies zeigt, dass die CIA ihre Kontakte zu den von Lansky kontrollierten Elementen der Mafia noch lange nach dem ersten Treffen mit Lansky aufrechterhielt.
Die CIA hatte auch enge Verbindungen zu Lanskys Partnern [36], wie z. B. Edward Moss, der Öffentlichkeitsarbeit für Lansky machte und von dem der damalige Generalinspekteur der CIA, J. S. Earman, sagte, er sei für die CIA „interessant“. Harry „Happy“ Meltzer war ebenfalls ein weiterer Lansky-Partner, der für die CIA tätig war. Die CIA bat Meltzer im Dezember 1960, einem Attentäterteam beizutreten.
Neben der CIA war Lansky durch Tibor Rosenbaum, einen Waffenbeschaffer und hochrangigen Beamten des israelischen Mossad, auch mit einem ausländischen Geheimdienst verbunden. Dessen Bank – die International Credit Bank of Geneva – wusch einen Großteil von Lanskys unrechtmäßig erworbenen Gewinnen und wandelte sie in legitime amerikanische Unternehmen um [37].
Der Journalist Ed Reid, Autor der Virginia Hill-Biografie „The Mistress and the Mafia“ [38], schrieb, dass Lansky bereits 1939 versuchte, mächtige Leute durch sexuelle Erpressung zu verführen. Reid behauptet, dass Lansky eine Ms. Hill nach Mexiko schickte, wo seine Westküstenverbindungen einen Drogenring aufgebaut hatten, der später das OSS, den Vorläufer der CIA, einbezog, um zahlreiche „Spitzenpolitiker, Armeeoffiziere, Diplomaten und Polizeibeamte“ zu verführen.
Schließlich wurde Lansky zugeschrieben, irgendwann in den 1940er Jahren kompromittierende Fotos von FBI-Direktor J. Edgar Hoover beschafft zu haben. Die Fotos zeigten „Hoover in einer Art schwulen Situation“, so ein ehemaliger Mitarbeiter von Lansky [39], der auch sagte, dass Lansky oft behauptet hatte: „Ich habe diesen Hurensohn zur Ordnung gebracht.“ (Original: „I fixed that son of a bitch.“). Die Fotos zeigten Hoover bei sexuellen Aktivitäten mit seinem langjährigen Freund, dem stellvertretenden FBI-Direktor Clyde Tolson [40].
Irgendwann fielen diese Fotos in die Hände des Chefs der CIA-Gegenspionage, James J. Angleton, der die Fotos später mehreren anderen CIA-Beamten zeigte, darunter John Weitz und Gordon Novel [41]. Angleton war bis zu seinem Ausscheiden 1972 für die Beziehungen der CIA zum FBI und zum israelischen Mossad zuständig. Wie schon erwähnt, stand er auch in Kontakt mit Lansky.
Anthony Summers, ehemaliger BBC-Journalist und Autor von „Official and Confidential: The Secret Life of J. Edgar Hoover“ [42], argumentierte, dass es nicht Lansky war, sondern William Donovan, der Direktor des OSS, der die Originalfotos von Hoover besorgte und sie später mit Lansky teilte.
Summers erklärte auch, dass „für [die Gangster Frank] Costello und Lansky die Fähigkeit, Politiker, Polizisten und Richter zu korrumpieren, von grundlegender Bedeutung für Mafia-Operationen war. Der Weg, den sie fanden, um mit Hoover umzugehen, beinhaltete laut mehreren Mafia-Quellen seine Homosexualität.“ [43] Diese Anekdote zeigt, dass Lanksy und die CIA eine verdeckte Beziehung unterhielten, die u. a. den Austausch von Erpressungsmaterial (d. h. „Geheimdienstinformationen“) beinhaltete.
Es ist ebenfalls möglich, dass Hoover während einer von Rosenstiels „Erpresser-Partys“ von der Mafia umgarnt wurde. Bei diesen Partys fand sich Hoover manchmal selbst zwischen prominenten Figuren der Mafia wieder. Hoover soll bei einigen der Veranstaltungen Frauenkleidung getragen haben. Meyer Lanskys Frau sagte später, dass ihr Mann Fotos des ehemaligen FBI-Direktors in Frauenkleidern besaß [44]. Darüber hinaus ist aktenkundig, dass Hoover bereits 1939 eine ungewöhnliche Besorgnis – bezüglich des Umgangs des FBI mit den kriminellen Verbindungen Rosenstiels – zeigte [45]. Das ist dasselbe Jahr, in dem sein enger Partner Lansky aktiv die sexuelle Erpressung mächtiger politischer Persönlichkeiten einfädelte.
Die Erpressung, der Hoover ausgesetzt war, sowie die im Besitz der Mafia befindlichen Beweise wurden als ein wichtiger Faktor für Hoovers jahrzehntelange Leugnung angeführt, dass landesweite Netzwerke des organisierten Verbrechens ein ernsthaftes Problem darstellten [46]. Hoover behauptete, es handele sich um ein dezentralisiertes, lokales Problem und läge daher außerhalb der Zuständigkeit des FBI. Als Hoover 1963 endlich die Existenz nationaler Netzwerke des organisierten Verbrechens anerkannte, waren diese bereits so fest im US-Establishment verankert, dass sie unantastbar waren.
Der Berater des Kongresses in Sachen Kriminalität (Congressional crime consultant), Ralph Salerno, sagte 1993 zu Summers, dass Hoovers vorsätzliche Ignoranz gegenüber dem organisierten Verbrechen während des größten Teils seiner Karriere als FBI-Direktor „dem organisierten Verbrechen erlaubte, in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht sehr stark zu werden. So wurde es zu einer viel größeren Bedrohung für das Wohlergehen dieses Landes, als es das gewesen wäre, wenn es viel früher angegangen worden wäre.“ [47]
J. Edgar Hoover: Erpressungs-Opfer?
Die meisten Aufzeichnungen setzen den Beginn von Hoovers Beziehung zu Rosenstiel in den 1950er Jahren an, demselben Jahrzehnt, in dem Susan Kaufman berichtete, dass Hoover an Rosenstiels Erpressungs-Partys teilnahm. Rosenstiels FBI-Akte [48], die von Anthony Summers beschafft wurde, legt das erste Treffen mit Rosenstiel ins Jahr 1956, obwohl Summers anmerkt, dass es Beweise dafür gibt, dass sie sich schon viel früher getroffen haben. Nachdem er um das Treffen gebeten hatte, wurde Rosenstiel innerhalb weniger Stunden ein persönliches Treffen mit dem Direktor gewährt. Die FBI-Akte über Rosenstiel zeigt auch, dass der Schnapsbaron Hoover stark beeinflusste, um seine Geschäftsinteressen zu wahren.
Während dieser Zeit waren die anzüglichen Details von Hoovers Sexualleben bereits dem US-Geheimdienst und der Mafia bekannt. Hoover war sich bewusst, dass sie von seiner verdeckten Sexualität und seiner Vorliebe für Frauenkleidung wussten. Dennoch schien er genau die Art von sexueller Erpressung zu befürworten, die sein Privatleben kompromittiert hatte – und das auch angesichts der Tatsache, dass er in den 1950er und 1960er Jahren auf vielen von Rosenstiels „Erpresser-Partys“ gesehen wurde. Unter anderem an Orten wie Rosenstiels Privatwohnung und später im Plaza Hotel in Manhattan. Hoovers Vorliebe, sich als Drag-Queen zu kleiden, wurde auch von zwei Zeugen beschrieben, die nicht mit Susan Kaufman verbunden waren [49].
Kurz nach ihrem ersten „offiziellen“ Treffen blühte die öffentliche Beziehung zwischen den beiden Männern schnell auf, wobei Hoover Rosenstiel sogar Blumen schickte, als dieser krank wurde. Summers berichtete, dass man im Jahre 1957 Rosenstiel während eines Treffens zu Hoover sagen hörte: „Ihr Wunsch ist mir Befehl.“ [50] Ihre Beziehung blieb in den 1960er Jahren und darüber hinaus eng und intim.
Wie Rosenstiel war Hoover dafür bekannt, Erpressungs-Material über Freund und Feind gleichermaßen anzuhäufen [51]. Hoovers Büro enthielt „geheime Akten“ über zahlreiche mächtige Leute in Washington und darüber hinaus. Akten, die er benutzte, um Gefallen zu erlangen und seinen Status als FBI-Direktor so lange zu schützen, wie er es wünschte.
Hoovers eigene Neigung zur Erpressung lässt vermuten, dass er mit Rosenstiels sexueller Erpressungs-Operation noch direkter in Verbindung stand. Denn er wusste bereits, dass er kompromittiert war, und seine Beteiligung an der Operation würde somit als Mittel zur Beschaffung derjenigen Erpressungs-Materialien dienen, die er für seine eigenen Zwecke nutzen wollte. Wenn Hoover lediglich von der mit Lansky und Rosenstiel verbundenen Mafia erpresst worden wäre, wäre es in der Tat unwahrscheinlich, dass er so freundlich zu Rosenstiel, Lansky und den anderen Mafiosi bei diesen Treffen gewesen wäre und mit solcher Regelmäßigkeit daran teilgenommen hätte.
Laut dem Journalisten und Autor Burton Hersh war Hoover auch mit Sherman Kaminsky verbunden, der in New York eine sexuelle Erpressungs-Operation mit jungen männlichen Prostituierten betrieb. Diese Operation wurde 1966 in einer Erpressungs-Ermittlung unter der Leitung von Frank Hogan, Bezirksstaatsanwalt von Manhattan, aufgedeckt und untersucht, obwohl das FBI schnell die Untersuchung übernahm und Fotos von Hoover und Kaminsky bald darauf aus der Fallakte verschwanden [52].
Hoovers und Rosenstiels tiefe Verbundenheit sollte sich im Laufe der Jahre weiter entwickeln. Ein Beispiel dafür ist Rosenstiels Einstellung des langjährigen Hoover-Mitarbeiters Louis Nichols als Vizepräsident seines Schenley-Likör-Imperiums sowie Rosenstiels Spende von über einer Million Dollar an die J. Edgar Hoover Foundation [53], die Nichols zu dieser Zeit ebenfalls leitete.
Es gibt auch mehr als nur eine dokumentierte Gelegenheit, bei der Hoover versuchte Erpressung einzusetzen, um Rosenstiel und seinen „Feldkommandanten“ zu schützen – niemand anderen als den berüchtigten Roy Cohn, die andere Schlüsselfigur in Rosenstiels sexueller Erpressungs-Operation mit Minderjährigen.
Die Erschaffung eines Monsters
Auch Jahrzehnte nach seinem Tod bleibt Roy Cohn eine kontroverse Figur, nicht zuletzt wegen seiner engen, persönlichen Beziehungen zum aktuellen US-Präsidenten Donald Trump [54]. Doch Berichte über Cohn, sowohl in jüngster Zeit als auch in den vergangenen Jahren, verfehlen in ihrer Charakterisierung dieses Mannes oft das Ziel. Er war eng mit dem Weißen Haus unter Reagan, der CIA, dem FBI, dem organisierten Verbrechen – und, nebenbei bemerkt, vielen der Figuren, die später Jeffrey Epstein umgeben sollten – verbunden.
Um das wahre Wesen des Mannes zu verstehen, ist es unerlässlich, seinen Aufstieg zur Macht in den frühen 1950er Jahren zu untersuchen. Er wurde im Alter von nur 23 Jahren eine Schlüsselfigur in dem vielbeachteten Prozess gegen die sowjetischen Spione Ethel und Julius Rosenberg und später die rechte Hand von Senator Joseph McCarthy (R-WI).
Cohns Engagement für antikommunistische Aktivitäten in den 1950er Jahren ist es angeblich, was ihn bei J. Edgar Hoover, den er 1952 zum ersten Mal traf, zuerst beliebt machte. Während dieses Treffens, das Hersh in „Bobby and J. Edgar: The Historic Face-Off Between the Kennedys and J. Edgar Hoover That Transformed America“ [55] beschreibt, drückte Hoover seine Bewunderung für Cohns aggressive und manipulative Taktiken aus. Er sagte Cohn, er solle „mich direkt anrufen“, wenn er Informationen habe, die es wert sind, geteilt zu werden. Von diesem Zeitpunkt an tauschten Cohn und Hoover „Gefälligkeiten, überschwängliche Komplimente, Geschenke und aufwendige private Abendessen untereinander aus. Es kam schnell zu ‚Roy‘ und ‚Edgar‘.“ Hersh beschreibt Hoover auch als Cohns zukünftigen „Consigliere“.
Das Datum und die Umstände des Kennenlernens von Cohn und Rosenstiel sind schwieriger zu ergründen. Es ist möglich, dass die Verbindung über Roy Cohns Vater, Albert Cohn, hergestellt wurde. Der war ein prominenter Richter und eine einflussreiche Figur im Apparat der Demokratischen Partei von New York City, die damals von Edward Flynn geleitet wurde. Später wurde aufgedeckt, dass die von Flynn dominierte und in der Bronx ansässige Organisation der Demokraten langjährige Verbindungen zum organisierten Verbrechen hatte, darunter auch zu Partnern von Meyer Lansky [56].
Unabhängig davon, wie oder wann sie begann, war die Beziehung zwischen Cohn und Rosenstiel eng und wurde oft mit der von Vater und Sohn verglichen [57]. Man sagte, sie hätten sich häufig in der Öffentlichkeit gegrüßt und seien auch eng verbunden geblieben, bis Rosenstiel dem Tode nahe war. Zu diesem Zeitpunkt versuchte Cohn, seinen damals kaum bei Bewusstsein befindlichen und senilen „Freund“ und Kunden auszutricksen, damit er ihn zum Vollstrecker und Treuhänder des Nachlasses des Spirituosen-Magnaten ernannte [58]. Dieser wurde auf 75 Millionen Dollar geschätzt (heute mehr als 334 Millionen Dollar).
Das LIFE-Magazine berichtete 1969, dass Cohn und Rosenstiel sich seit Jahren gegenseitig als „Field Commander“ (Feldkommandant) bzw. „Supreme Commander“ (oberster Kommandant) bezeichneten [59]. Medienhinweise auf diese Spitznamen erscheinen in anderen Artikeln aus dieser Zeit [60].
Obwohl LIFE und andere Medien dies als bloße Anekdote über die Spitznamen interpretiert haben, die im Scherz zwischen engen Freunden ausgetauscht wurden, legt die Tatsache, dass der berüchtigte Verbrecherfürst Meyer Lansky Rosenstiel ebenfalls „Supreme Commander“ nannte [61] und die Tatsache, dass Cohn und Rosenstiel später eng im selben pädophilen Sexring verwickelt waren, nahe, dass hinter diesen „Spitznamen“ mehr stecken könnte. Schließlich verwendete die Mafia, mit der Rosenstiel verbunden war, oft militärisch anmutende Titel wie „Soldat“ und „Leutnant“, um den Rang und die Bedeutung ihrer Mitglieder zu unterscheiden.
Sobald er seine Verbindung zu Hoover hergestellt hatte, begann Cohns Stern in Washington noch höher zu steigen. Hoovers Empfehlung für Cohn sollte den Ausschlag für seine Ernennung zum Generalberater von Senator McCarthy geben. Angetreten war er gegen Robert Kennedy, einen Rivalen und erbitterten Feind Cohns.
Obwohl Cohn als McCarthys Berater rücksichtslos und scheinbar unantastbar war und dem Senator half, viele Karrieren zu zerstören – sowohl während der roten als auch der lavendelfarbenen Angst – führten seine Eskapaden in Bezug auf seine Arbeit im Komitee schließlich zu seinem Untergang [62]. Denn er hatte versucht, die Armee zu erpressen, um im Gegenzug eine Vorzugsbehandlung für David Schine, den Berater des Komitees – der gerüchteweise auch Cohns Geliebter gewesen sein soll – zu erhalten.
Nachdem er aufgrund des Skandals gezwungen war von McCarthys Seite zu weichen, kehrte Cohn nach New York zurück, um bei seiner Mutter zu leben und als Anwalt zu arbeiten. Einige Jahre später vermittelte der New Yorker Richter David Peck, ein langjähriger Partner des ehemaligen CIA-Direktors Alan Dulles [63], Cohn eine Anstellung bei der New Yorker Anwaltskanzlei Saxe, Bacon und O’Shea [64] – die später zu Saxe, Bacon und Bolan wurde, nachdem Tom Bolan, ein Freund von Cohn, Partner der Kanzlei wurde. Nach seiner Anstellung brachte Cohn der Kanzlei eine Reihe von Mafia-verbundenen Klienten ein, darunter hochrangige Mitglieder der Gambino-Verbrecher-Familie, der Genovese-Verbrecher-Familie und natürlich Lewis Rosenstiel.
Was ist in Suite 233 passiert?
Die Verbindungen die Roy Cohn in den 1950er Jahren aufbaute, machten ihn zu einer bekannten öffentlichen Figur und führten zu großem politischen Einfluss, der während der Präsidentschaft von Ronald Reagan seinen Höhepunkt erreichte. Doch während Cohn sein öffentliches Image aufbaute, entwickelte er auch ein dunkles Privatleben, das von derselben pädophilen Schutzgelderpressung dominiert werden sollte, die anscheinend zuerst mit Lewis Rosenstiel begonnen hat.
Eine der „Erpresser-Partys“, die Susan Kaufman mit ihrem damaligen Ehemann Lewis Rosenstiel besuchte, wurde 1958 von Cohn in der Suite 233 im Plaza Hotel in Manhattan ausgerichtet. Kaufman beschrieb Cohns Suite als eine „wunderschöne Suite … ganz in Hellblau gehalten“ [65]. Sie beschrieb, dass ihr Hoover – der in einem Drag-Outfit da war – durch Cohn vorgestellt wurde, der ihr in einem Anfall von kaum verhohlenem Lachen sagte, dass Hoovers Name „Mary“ sei. Kaufman bezeugte, dass kleine Jungs anwesend waren und Kaufman behauptete, dass Cohn, Hoover und ihr Ex-Mann sexuelle Handlungen mit diesen Minderjährigen begingen [66].
Der New Yorker Anwalt John Klotz, der damit beauftragt war gegen Cohn zu ermitteln, fand auch Beweise für die „blaue Suite“ im Plaza Hotel und ihre Rolle in einem Sex-Erpressungsring – lange nach Kaufmans Aussage. Er fand die Beweise, nachdem er lokale Regierungsdokumente und von Privatdetektiven gesammelte Informationen durchforstet hatte. Klotz erzählte später dem Journalisten und Autor Burton Hersh, was er erfahren hatte [67]:
„Roy Cohn bot Schutz. Es waren ein Haufen Pädophiler beteiligt. Das ist, woher Cohn seine Macht bezog – Erpressung.“
Die vielleicht vernichtendste Bestätigung für Cohns Aktivitäten in der Suite 233 stammt aus Aussagen, die Cohn selbst gegenüber dem ehemaligen NYPD-Detective und Ex-Leiter der Abteilung „Human-Trafficking and Vice-Related Crimes Division“, James Rothstein, machte. Rothstein erzählte später John DeCamp – ehemaliger Senator des Staates Nebraska, der einen mit der Regierung verbundenen Kindersexring mit Sitz in Omaha untersuchte – neben anderen Ermittlern, dass Cohn zugegeben hatte, Teil einer sexuellen Erpressungs-Operation zu sein, die auf Politiker mit Kinderprostituierten abzielte [68]. Dies erzählte der ehemalige Detective DeCamp während eines ausführlichen Interviews.
Rothstein erzählte DeCamp Folgendes über Cohn:
„Cohns Aufgabe war es, die kleinen Jungs zu führen. Sagen wir, Sie hatten einen Admiral, einen General, einen Kongressabgeordneten, der nicht mit dem Programm mitgehen wollte. Cohns Aufgabe war es, sie in die Schranken zu weisen, dann würden sie mitmachen. Cohn hat mir das selbst gesagt.“
Rothstein erzählte später Paul David Collins, einem ehemaligen Journalisten, der Forscher wurde, dass Cohn diese sexuelle Erpressungs-Operation auch als Teil des antikommunistischen Kreuzzuges der Zeit identifiziert hatte [69].
Die Tatsache, dass Cohn – basierend auf Rothsteins Erinnerung – erklärte, dass der Kindersex-Erpressungs-Ring Teil des von der Regierung geförderten antikommunistischen Kreuzzugs war, lässt vermuten, dass Elemente der Regierung – einschließlich Hoovers FBI – möglicherweise auf einer viel breiteren Ebene damit verbunden waren als nur über Hoovers persönliche Beteiligung, da das FBI für einen Großteil der Roten Angst eng mit McCarthy und Cohn zusammenarbeitete.
Es ist auch erwähnenswert, dass unter Hoovers vielen „geheimen“ Erpressungs-Akten ein umfangreiches Dossier über Senator McCarthy war. Dessen Inhalt stark darauf hindeutete, dass der Senator selbst an minderjährigen Mädchen interessiert war. Laut dem Journalisten und Autor David Talbot war Hoovers Akte über McCarthy „gefüllt mit beunruhigenden Geschichten über McCarthys Angewohnheit, im betrunkenen Zustand Brüste und Gesäß junger Mädchen zu betatschen. Die Geschichten waren so weit verbreitet, dass sie in der Hauptstadt ‚Allgemeinwissen‘ wurden, so ein FBI-Chronist.“ [70]
Talbot zitiert in seinem Buch „The Devil’s Chessboard“ [71] auch Walter Trohan, Leiter des Washingtoner Büros der Chicago Tribune, der persönlich Zeuge von McCarthys Gewohnheit war, junge Frauen zu belästigen. „Er konnte einfach nicht die Finger von jungen Mädchen lassen“, sollte Trohan später sagen. „Ich weiß nicht, warum die kommunistische Opposition ihm nicht eine Minderjährige untergeschoben und ‚Unzucht mit Minderjährigen‘ geschrien hat.“ Vielleicht liegt die Antwort in der Tatsache, dass zu denjenigen, die ihren politischen Gegnern Minderjährige „unterschieben“, McCarthys Verbündete und enge Partner zählen, nicht seine Feinde.
Die Frage, die sich aus den Enthüllungen über Cohns Aktivitäten in der Suite 233 zwangsläufig ergibt, lautet: Wen hat Cohn noch „geschützt“ und mit minderjährigen Prostituierten bedient? Einer von ihnen könnte sehr wohl einer von Cohns engen Freunden und Kunden gewesen sein, Kardinal Francis Spellman von der Erzdiözese New York, der bei einigen dieser Partys, die Cohn im Plaza Hotel veranstaltete, anwesend gewesen sein soll [72].
Spellman – eine der mächtigsten Figuren der katholischen Kirche Nordamerikas, manchmal auch als „Amerikas Papst“ bezeichnet – wurde beschuldigt, nicht nur Pädophilie in der katholischen Kirche zu dulden [73] und bekannte Pädophile zu weihen [74], einschließlich Kardinal Theodore „Onkel Teddy“ McCarrick, sondern auch selbst daran beteiligt gewesen zu sein. Und das in einem solchen Ausmaß, dass viele New Yorker Priester ihn als „Mary“ bezeichneten [75]. Außerdem soll J. Edgar Hoover eine Akte gehabt haben, die das Sexualleben des Kardinals detailliert beschreibt [76]. Was auf Spellmans Verwicklung in den Ring sowie die Pädophilen-Schutzgelderpressung hindeutet, an denen Cohn und Hoover persönlich beteiligt waren.
Menschen, die Cohn nahestanden, bemerkten oft, dass er häufig von Gruppen kleiner Jungs umgeben war, schienen sich aber nichts dabei zu denken. Ähnlich beiläufige Kommentare über Epsteins Vorliebe für Minderjährige wurden vor seiner Verhaftung auch von Personen getätigt, die ihm nahestanden.
Der umstrittene republikanische Polit-Agent und „Dirty Trickster“ Roger Stone – der wie Donald Trump ein Protegé von Cohn war [77] – sagte 2008 in einem Interview mit The New Yorker Folgendes über Cohns Sexleben:
„Roy war nicht schwul. Er war ein Mann, der gerne Sex mit Männern hatte. Schwule sind schwach, verweichlicht. Er schien immer diese kleinen, blonden Jungs um sich zu haben. Es wurde einfach nicht diskutiert. Es ging ihm um Macht und Zugang.“ [78]
Vergleichen Sie dieses Zitat von Stone mit dem, was Donald Trump – der Cohn ebenfalls nahestand – später über Jeffrey Epstein sagen sollte, mit dem er ebenfalls eng verbunden war:
„Ich kenne Jeff seit 15 Jahren. Ein toller Kerl. Es macht viel Spaß mit ihm zusammen zu sein. Es heißt sogar, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele von ihnen sind auf der jüngeren Seite. Kein Zweifel – Jeffrey genießt sein soziales Leben.“ [79]
Obwohl nicht bekannt ist, wie lange der Sexring im Plaza Hotel bestanden und ob er nach Cohns Tod durch AIDS im Jahr 1986 fortgesetzt wurde, ist es erwähnenswert, dass Donald Trump im Jahre 1988 das Plaza Hotel kaufte [80]. Später wurde berichtet [81] – und von damaligen Teilnehmern bestätigt [82] – dass Trump „Partys in den Suiten des Plaza Hotels veranstaltete als es ihm gehörte, wo junge Frauen und Mädchen älteren, reichen Männern vorgestellt wurden“ und „illegale Drogen und junge Frauen herumgereicht und benutzt wurden.“
Andy Lucchesi, ein männliches Model, das geholfen hatte, einige dieser Plaza Hotel-Partys für Trump zu organisieren, sagte auf die Frage nach dem Alter der anwesenden Frauen Folgendes: „Viele der Mädchen, 14, sehen aus wie 24. Saftiger geht’s nicht mehr. Ich habe nie gefragt, wie alt sie waren; ich habe einfach teilgenommen. Ich habe an Aktivitäten teilgenommen, die auch umstritten sein könnten.“ [83]
Die Roy-Cohn-Maschine
Roy Cohn stand erst am Anfang seiner Karriere, als er sich in den sexuellen Erpressungsring des Untergrunds einschaltete, der offenbar von Lewis Rosenstiel geleitet wurde. Als Cohn zum ersten Mal Hoover traf, war er tatsächlich erst 23 Jahre alt. In den nächsten drei Jahrzehnten, ungefähr – vor seinem Tod an AIDS-bedingten Komplikationen im Jahr 1986 im Alter von 56 – baute Cohn eine gut geölte Maschine auf, vor allem durch seine engen Freundschaften mit einigen der einflussreichsten Persönlichkeiten des Landes.
Zu Cohns Freunden gehörten Top-Medienpersönlichkeiten wie Barbara Walters [84], ehemalige CIA-Direktoren, Ronald Reagan und seine Frau Nancy [85], die Medienmogule Rupert Murdoch [86] und Mort Zuckerman, zahlreiche Prominente [87], prominente Anwälte wie Alan Dershowitz [88], Spitzenfiguren der katholischen Kirche und führende jüdische Organisationen wie B’nai B’rith [89] und der Jüdische Weltkongress. Viele der gleichen Namen, die Cohn bis zu seinem Tod in den späten 1980er Jahren umgaben, würden später auch Jeffrey Epstein umgeben, wobei ihre Namen später in Epsteins inzwischen berüchtigtem „kleinen schwarzen Buch“ auftauchten.
Während Präsident Trump eindeutig mit beiden, Epstein und Cohn, verbunden ist, erstreckte sich Cohns Netzwerk auch auf den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton, dessen Freund und langjährigen politischen Berater, Richard „Dirty Dick“ Morris [90], der Cohns Cousin und enger Partner war [91]. Morris war auch eng mit Clintons ehemaligem Kommunikationsdirektor George Stephanopoulos verbunden, der ebenfalls mit Jeffrey Epstein verbunden war [92].
Doch das waren nur Cohns Verbindungen zu respektablen Mitgliedern des Establishments. Er war auch für seine tiefen Verbindungen zur Mafia bekannt und erlangte vor allem durch seine Fähigkeit, Schlüsselfiguren der kriminellen Unterwelt mit angesehenen, einflussreichen und für die Öffentlichkeit akzeptablen Persönlichkeiten zusammenzubringen, Berühmtheit. Letztlich war, wie der New Yorker Anwalt John Klotz feststellte, Cohns mächtigstes Werkzeug: die Erpressung, welche er gegen Freund und Feind, ob Gangster oder Beamte, einsetzte. Wie viel von diesem Erpressungs-Material er durch seine sexuelle Erpressungs-Operation erwarb, wird wahrscheinlich nie bekannt werden.
Wie Teil II dieser exklusiven Untersuchung zeigen wird, hatten die sexuellen Erpressungs-Operationen, die Cohn und Epstein betrieben, viele Dinge gemeinsam. Nicht nur viele der gleichen berühmten Freunde und Gönner, sondern auch Verbindungen zu Geheimdiensten und Konsortien von Mafia-verbundenen Geschäftsleuten – die modernen Äquivalente von Samuel Bronfman und Lewis Rosenstiel, die sich seitdem in „Philanthropen“ umbenannt haben.
Teil II wird auch aufzeigen, dass Cohns Operation bekanntermaßen Nachfolger hatte, wie eine Reihe von Skandalen in den frühen 1990er Jahren enthüllte. Die seitdem unter den Teppich gekehrt wurden. Die erheblichen Überschneidungen zwischen Epsteins und Cohns verdeckten Aktivitäten im Bereich der sexuellen Erpressung und ihre Verbindungen zu vielen der gleichen mächtigen Personen und zu den gleichen einflussreichen Kreisen, legen nahe, dass Epstein einer von Cohns Nachfolgern war.
Wie im letzten Teil dieses Berichts gezeigt werden wird, ist Epstein nur die jüngste Inkarnation einer viel älteren, umfangreicheren und ausgeklügelteren Operation, die einen erschreckenden Blick darauf gewährt, wie tief die US-Regierung mit den modernen Äquivalenten des organisierten Verbrechens verbunden ist, was sie zu einer Verbrecherbande macht, die wirklich „Too Big to Fail“ ist.
Der Beitrag Die schockierenden Ursprünge des Falles Jeffrey Epstein erschien zuerst auf uncut-news.ch.
Sinophobie trifft auf Gefängnisarbeit in einem Think Tank in Australien
Der Westen wurde mit einer ununterbrochenen Propagandaoffensive über uigurische Zwangsarbeitslager buchstäblich überschwemmt. Das wurde inzwischen gründlich entlarvt, zum Beispiel hier. Lassen Sie uns nun die andere – westliche – Seite der Geschichte untersuchen.
Anfang 2021 verklagte die Organisation Defense for Children (DCI) das Australian Strategic Policy Institute (ASPI) in New South Wales. In der Klage von DCI wird behauptet, dass ASPI möglicherweise Gelder von einer Reihe von Waffenherstellern und Regierungsbehörden in den USA und Großbritannien erhalten hat, die von der Gefängnisarbeit profitieren.
Obwohl die Anwälte von ASPI versicherten, dass diese Gelder gestrichen würden, wenn ernstzunehmende Beweise auftauchen, wurde der Fall immer undurchsichtiger, und es wird bezweifelt, dass es jemals zu einem Prozess kommen wird.
Quellen, die es vorziehen, anonym zu bleiben, bestehen darauf, dass ASPI direkt auf den Hauptsitz von DCI in Genf ernsthaften Druck ausgeübt hat, um den Fall fallen zu lassen.
Warum ist dies also so wichtig?
Wie viele seiner Kollegen in der Five-Eyes-Konstellation bezeichnet sich das Australian Strategic Policy Institute (ASPI) selbst als „unabhängige, unparteiische Denkfabrik“.
Das ASPI mit Sitz in Canberra wurde 2001 gegründet – im Jahr des 11. Septembers. Es wird von einer Reihe australischer Institutionen finanziert, vor allem vom australischen Verteidigungsministerium, aber auch von „ausländischen Regierungsstellen“, darunter das US-Außenministerium, das Pentagon und sogar die NATO, die ein merkwürdiges „Forschungsprojekt zu sozialen Medien“ finanzierte.
Der militärisch-industrielle Komplex der USA ist mit Lockheed Martin, Northrop Grumman und Raytheon gut vertreten. Andere NATO-Größen wie BAE Systems, Thales und Saab sind ebenfalls vertreten.
Unterm Strich wird ASPI wie viele andere Five-Eyes-Denkfabriken direkt von der Weapons Inc. finanziert.
ASPI hatte 2018-19 mindestens 56 Einnahmequellen, die unscheinbar als „Sponsoring“ oder „Auftragseinnahmen“ bezeichnet werden. Was jedoch aufhorchen lässt, ist, dass ein erheblicher Teil dieser Gelder von mindestens 11 Spendern direkt und indirekt mit Gefängnisarbeit in Verbindung gebracht werden kann, die im gesamten industrialisierten Westen mit moderner Sklaverei gleichgesetzt wird.
Mindestens vier ASPI-Geber – Lockheed Martin, Boeing, Raytheon und BAE Systems – wurden mit dem Einsatz von Gefängnisarbeit bei der Herstellung von Komponenten für ihre militärische Hardware in Verbindung gebracht.
Raytheon beispielsweise hat bei der Montage elektronischer Teile für Boden-Luft-Raketen vom Typ Patriot möglicherweise direkt auf Gefängnisarbeit zurückgegriffen. Aus einem Bericht geht hervor, dass „die Herstellung von Raketenteilen die Gefangenen 23 Cent pro Stunde kostet“ und dass die Gefängnisleitung berechtigt ist, die Löhne der Gefangenen nach Belieben teilweise oder ganz einzubehalten.
In dem US-Bundesbericht über Gefängnisarbeit heißt es eindeutig, dass „alle arbeitsfähigen verurteilten Gefangenen“ zur Arbeit verpflichtet sind. Das entscheidende Wort ist „verpflichtet“.
UNICOR, das nicht weniger als 110 Fabriken in 65 Bundesgefängnissen betreibt, wird unauffällig als der Handelsname für die Federal Prison Industries (FPI) in den USA beschrieben, ein „sich selbst tragendes staatliches Unternehmen, das Dienstleistungen zu Marktpreisen und Qualitätswaren verkauft, die von Insassen hergestellt werden“. Darunter natürlich auch Waffen für den industriell-militärischen Komplex.
Nach den Zahlen von 2019 hat die US-Regierung – die de facto die Gefängnisfabriken betreibt – ASPI mit 1,37 Millionen Dollar finanziert.
Unisystems, ein IT-Unternehmen, das Telefone für US-Gefängnisse verkauft, finanzierte ASPI von 2005 bis 2019 ebenfalls. Die Arbeit der Häftlinge mag zwar dreckig und billig sein, aber wenn sie ihre Anwälte oder ihre Familie anrufen wollen, müssen sie bis zu 24 Dollar für 15 Minuten berappen.
BAE Systems hat ASPI zwischen 2014 und 2019 finanziert. BAE Systems profitiert von Komponenten, die von Gefängnisarbeitern im Luftfahrtsystem des berüchtigten Bradley Infantry Fighting Vehicle hergestellt werden.
Weapons Inc. voll im Griff
Das Bild eines Five-Eyes-Systems, das seit Jahren in Afghanistan Waffen herstellt und von den Seriendesastern profitiert, wird dadurch noch vervollständigt, dass auch das australische Militär einer ernsthaften Überprüfung unterzogen wurde.
Im November 2020 bestätigte der Kommandeur der australischen Verteidigungskräfte, Angus Campbell, dass australische Spezialeinheiten in Afghanistan in schwere Verbrechen verwickelt waren. In einer seit langem laufenden Untersuchung wurde empfohlen, gegen 25 Soldaten, die meisten von ihnen von der Eliteeinheit SAS, wegen einer Handvoll Fälle zu ermitteln, die zur Ermordung von 39 afghanischen Gefangenen, darunter auch Zivilisten – Frauen und Kinder -, sowie zur Folterung von zwei weiteren Personen führten.
Als ob die Anschuldigungen, australische Soldaten würden in Afghanistan Morde begehen, während die Geldgeber eines australischen Unternehmens von der Gefangenenarbeit profitieren, nicht schon giftig genug wären, kommt noch hinzu, dass ASPI in Australien als die maßgebliche, „unabhängige“ Quelle für chinesische Angelegenheiten angesehen wird.
Ähnlich wie seine amerikanischen Pendants verfolgt ASPI als Zweig der Weapons Inc. eine klare Agenda. Der eine Vektor gibt umfangreiche Literatur heraus, die China dämonisiert – komplett mit detaillierten Berichten über die „Zwangsarbeit“ der Uiguren – und aktiv das Schreckgespenst einer „strategischen Bedrohung durch China“ verbreitet.
Der andere Vektor setzt sich – wie sollte es anders sein – für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben ein, insbesondere für Raketen. Das ist das Gebiet der Quad (USA, Japan, Indien, Australien). Die Quad muss China um jeden Preis eindämmen.
Und das ist es, was ASPI de facto zu einer Lobby für Weapons Inc. macht, viel mehr als eine Denkfabrik.
Es wird immer kurioser, wenn man erfährt, dass die australische Regierung sich mit der AGM-158C Long Range Anti-Ship Missile (LRASM) ausstatten will, die von keinem geringeren als dem ASPI-Geldgeber Lockheed Martin hergestellt wird.
Viel Spaß also mit unserer kleinen Five-Eyes-Geschichte, in der eine australische „Denkfabrik“, die sich darauf konzentriert, China rund um die Uhr zu dämonisieren, einen Teil ihrer finanziellen Mittel von einer Weapons Inc. erhält, die von westlicher Gefängnisarbeit profitiert.
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