Viele Wörter des Alltagsgebrauchs wie „Rohrkrepierer“ verweisen auf Deutschlands kriegerische Geschichte. Exklusivauszug aus „Deutschland neutral!“
„Wir haben die Bombe beide gehört. Du hast mich vernichtet, und ich hab dich zerstört. Du hast mein Herz in Schutt und Asche gelegt. Ich hab deine Seele in drei Teile zersägt“. So sang es der Polit-Popmusiker Dietrich Brüggemann mit seiner Band „Theodor Shitstorm“ im Lied „Gegen Nazis“. Brüggemann beweist großen Sammlerfleiß beim Aufspüren mehrdeutiger Begriffe und schärft so das Sprachgefühl seiner Zuhörer und Leser. So auch im vorliegenden Artikel. Darin zeigt er auf, dass bewährte deutsche Wörter und Redewendungen, über deren Bedeutung kaum jemand nachdenkt, oft eine ungute Herkunft aus dem kriegerischen Bereich haben. „Etwas im Schilde führen“, „Handelskrieg“, „Bis zur Vergasung“. Sich dies bewusst zu machen, zeigt, dass uns oft nur dünnes Eis davor schützt, wieder in jenem militaristischen Schlamm zu versinken, der lange Zeit für Deutschland typisch war und der in unserer kriegstüchtigen Ära dabei ist, es wieder zu werden. Das Buch „Deutschland neutral“, herausgegeben von Uli Gellermann, Jens Fischer Rodrian und Arnulf Rating, versammelt die Statements von 34 renommierten Autoren zum genannten Thema. Dietrich Brüggemann gibt in diesem Beitrag der Hoffnung Raum, dass sich die „Zeitenwende“ von Ex-Kanzler Olaf Scholz als Rohrkrepierer erweisen wird.
Dietrich Brüggemann
Als ich 10 oder 11 Jahre alt war, sah ich in einem Museum eine Kanone aus dem Zweiten Weltkrieg, deren Rohr in Fetzen gerissen und auseinandergebogen war. Es sah aus wie eine merkwürdige Blume aus Stahl. Auf der Informationstafel konnte man erfahren, dass diese Kanone von den Deutschen bei ihrem Rückzug

